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Kölns Benin-Bronzen : Was wollten wir bloß damit?

Wie eine Briefmarken-Sonderschau, die von Absendern und Empfängern nichts wissen will: Präsentation der Benin-Werke im Rautenstrauch-Joest-Museum Bild: Fadi Elias

So sieht das Museum der Zukunft aus: Köln zeigt seine Benin-Bronzen und verzichtet im Interesse der postkolonialen Aufklärung auf alle Erklärungen der Objekte.

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          Sie gehören allem Anschein nach zusammen, die 96 kunstreichen Objekte, für die ein eigener, provisorischer Raum im ersten Stock des Rauten­strauch-Joest-Museums in Köln errichtet worden ist. Es ist offenkundig, dass ihre Pflege so viel Sorgfalt verdient, wie in ihre Herstellung einging. Wir stehen also vor typischen Museumsstücken, auch weil keines der Stücke für sich steht, obwohl für jedes von ihnen ein eigener Glaskasten angefertigt worden ist. Man ist verleitet, hin- und herzuwandern von Vitrine zu Vitrine, um Verbindungen zu entdecken zwischen den Themen, sofern hier etwas bildlich gestaltet ist, und zwischen den Mitteln der Gestaltung, den Ornamenten, Konturen und Materialien. Sehr viele Objekte sind aus dunklem Metall gearbeitet und wirken massiv. Am auffälligsten sind die großen Metallköpfe, die aus Zylindern hervorwachsen, deren Muster wie geflochten oder gemauert aussehen. Es gibt Nachbildungen von Tieren und Waffen. Kleine Objekte, die man nicht auf Anhieb zuordnen kann, weil ihre Markierungen nicht an Krieg oder Jagd denken lassen, müssen ebenfalls dazugehören, sonst wären sie ja nicht im selben Raum ausgestellt. Was sind das für Dinge?

          Patrick Bahners
          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Es wird nicht gesagt. Die Vitrinen sind nicht mit Legenden versehen, und an den Wänden sind keine Tafeln angebracht. Man kann wissen, was man hier zu sehen bekommt, weil man ähnliche Dinge zuletzt oft in der Zeitung abgebildet gesehen hat und sogar im Fernsehen. Präsentiert wird die Kölner Sammlung von Benin-Bronzen – der Name, der das kostbare Material herausstellt und dem einzelnen Stück einen Werkcharakter zuweist analog zur Tradition der Plastik in der europäischen Kunstgeschichte, hat sich eingebürgert für den dinglichen Hofstaat der Könige von Benin, den die Briten 1897 bei der Eroberung der Hauptstadt des westafrikanischen Königreichs erbeuteten. Der kölnische Bestand ist der viertgrößte in deutschem Museumsbesitz. Am 3. Februar dieses Jahres hat der Rat der Stadt Köln mit den Stimmen aller Fraktionen außer der AfD die Verwaltung beauftragt, „die Rückgabe von Benin-Hofkunstwerken aus dem Bestand des Rautenstrauch-Joest-Museum an die Bundesrepublik Nigeria“ vorzubereiten.

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