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Grüne Anlagen : Weltrettung oder Greenwashing?

Grüne Landschaften: Nur die Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften, haben eine Zukunft, denken auch einflussreiche Investoren. Bild: Pieter Van Eenoge

Der Klimawandel gilt als Risiko für Finanzmärkte. Die Anlagen sollen grüner werden. Die Kriterien dafür sind komplex – und umstritten.

          9 Min.

          Wenn einer über den großen Kosmos der Finanzen Bescheid weiß, dann wohl er: „Ich glaube nicht, dass wir die Welt retten. Das ist auch nicht unsere Aufgabe“, sagte der Chef des global größten Vermögensverwalters Blackrock, Larry Fink, vor einigen Monaten in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Fink hat Blackrock einst mitgegründet und ist an der Wall Street zum Milliardär geworden; seine Firma hat er als ein einflussreiches Unternehmen etabliert, das in Tausende Firmen weltweit investiert ist. Die Anlagesumme liegt bei über 9 Billionen Dollar. Das Wort dieses Mannes hat Gewicht. Als Chef von Blackrock nutzt Fink das seit einigen Jahren, um den Vorstandsvorsitzenden der Unternehmen, in die Blackrock investiert ist, eine Art Leitlinie für ihr Handeln mit auf den Weg zu geben. In den vergangenen Jahren hat er sich immer wieder zur Nachhaltigkeit geäußert und diese ins Zentrum seiner Empfehlungen gestellt.

          Werner Mussler
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.
          Inken Schönauer
          Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Die Frage, wie das mit dem lupenreinen Kapitalisten Fink zusammenpasst und ob ausgerechnet die Finanzindustrie neuerdings wirklich die Welt retten will, ist durchaus angebracht. Fink will das alles richtig verstanden wissen: „Ich setze mich für die Umwelt ein. Als Investor ist es allerdings meine Verantwortung, die Erträge meiner Kunden zu maximieren. Das funktioniert aber nur, wenn sich Unternehmen so aufstellen, dass sie für die Zukunft gerüstet sind. Wer sich in heutigen Zeiten dem Problem des Klimawandels nicht stellt, hat keine Zukunft. Das verstehen die Unternehmen, das haben aber vor allem auch die Investoren verstanden.“ Diese Aussage setzt den Ton und erhöht vor allem den Druck. Ohne eine entsprechende Veränderung der Unternehmen wird es schwer werden, in Zukunft Investoren zu finden.

          Immer wieder ist davon die Rede, dass die derzeitige Transformation der Wirtschaft hin zu mehr Klimafreundlichkeit die größte Herausforderung seit der Industrialisierung ist. Damit sprechen wir tatsächlich von einer Epoche, die über einhundert Jahre her ist. Wer sich den Wandel der Unternehmen heute ansieht, kann den Satz durchaus nachvollziehen. Schon bevor Corona begann, standen Unternehmen in großen Veränderungsprozessen. Allein die Digitalisierung hat völlig neue Herausforderungen kreiert. In vielen Fällen ist selbst dieses Thema noch gar nicht in Gänze abgearbeitet. Bisher analoge Prozesse werden oft nur digital übersetzt. Das ist zu wenig, um die Zukunft bestreiten zu können. Tatsächlich erwachsen aus der Digitalisierung völlig neue und zum Teil andere Geschäftsmodelle als die, die wir bisher kennen. Dieses Beispiel ist zigfach übertragbar.

          Eine Geschichte aus der aktuellen Ausgabe des Magazins der F.A.Z. „Frankfurter Allgemeine Quarterly“

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          So verhält es sich auch mit der Nachhaltigkeit. Alle Welt redet davon, aber wie dieser schlichte Begriff mit Leben gefüllt und vor allem umgesetzt werden soll, ist in vielen Fällen noch überhaupt nicht klar. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz schreibt auf seiner Internetseite: „Die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung ist das Leitprinzip der Politik der Bundesregierung. Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und soziale Verantwortung müssen Hand in Hand gehen, damit Entwicklungen dauerhaft tragfähig sind. Ein wichtiger Akteur und Multiplikator für mehr Nachhaltigkeit ist die Wirtschaft.“

          Was aber heißt das konkret?

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