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Debatte um Elbschwanenorden : Warum Kirsten Boie den Sprachpreis ablehnt

Kirsten Boie Bild: dpa

Kirsten Boie hat den Elbschwanenorden der Hamburger Sektion des Vereins Deutsche Sprache abgelehnt. Die renommierte Jugendbuchautorin stößt sich an Äußerungen des Vereinsvorsitzenden. Der schwadronierte unter anderem vom „aktuellen Meinungsterror“ der „linksgestrickten Lügenpresse“.

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          Der Elbschwanenorden war ursprünglich keine Auszeichnung, sondern eine Gesellschaft zur Reinhaltung der deutschen Sprache, gegründet und bald schon wieder verblichen in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts – manche Anfechtungen sind zeitlos, und der Widerstand dagegen war damals offenbar zwecklos, sonst existierte dreieinhalb Jahrhunderte später nicht der Verein Deutsche Sprache, der dafür sorgen will, „dass Deutsch nicht zu einem Feierabenddialekt verkommt“, wie er seinen Daseinszweck beschreibt.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          2005 belebte dessen Hamburger Sektion den Elbschwanenorden wieder: als Bezeichnung ihres jährlich verliehenen Sprachpreises. Den sollte in diesem Jahr die renommierte Jugendbuchautorin Kirsten Boie erhalten, die auch zunächst annahm, wenige Tage später aber doch ablehnte – mit Verweis darauf, dass der Gründer und Vorsitzende des Vereins, der in Dortmund lehrende Wirtschaftsstatistiker Walter Krämer, eine „eher puristische Auffassung von Sprache, die sich diametral von meiner unterscheidet“, vertrete und sich, wie auch der Verein selbst, in „Argumentationsgänge“ des Rechtspopulismus einfüge.

          Frau Boie möchte vermeiden, dass sich ein Verein mit ihrem guten Namen schmückt, der gegen gendergerechte Sprache antritt – „Schluss mit Gender-Unfug!“, begrüßt uns die Homepage – und einen Mann an seiner Spitze hat, der Formulierungen wie die vom „aktuellen Meinungsterror unserer weitgehend linksgestrickten Lügenpresse“ in seiner Rubrik „Der Vorsitzende meint“ im Vereinsblatt „Sprachnachrichten“ publiziert hat.

          Dieser konkret von Kirsten Boie genannte Fall liegt schon Jahre zurück, aber in der aktuellen Ausgabe seiner Rubrik bezeichnet Krämer die öffentlich-rechtlichen Sender wegen ihrer gendergerechten Aussprachebemühungen ebenso pauschal wie pejorativ als „Volkserzieher“. Ob man seine generelle Kritik teilt oder nicht – die Wortwahl knüpft im älteren wie im aktuellen Beispiel an die von Kreisen an, die sich mit den Stigmata von Unterdrückten (angesichts „Meinungsterrors“), Betrogenen (von der „Lügenpresse“) oder Manipulierten (durch „Volkserzieher“) schmücken wollen, obwohl sie sich selbst so ganz anders gebärden, nämlich lautstark, meinungssicher und selbstherrlich.

          Darüber nachzudenken, bietet Kirsten Boies Preisverzicht guten Anlass. Wobei die nun entstehende Debatte gar nicht in ihrer Absicht lag, denn sie selbst veröffentlichte die Absage gar nicht; erst auf Anfrage einer Lokalzeitung kurz vor der ursprünglich auf den gestrigen Donnerstag terminierten Preisverleihung stellte sie dieser den Absagebrief zur Verfügung.

          Uns elbschwant da etwas: Nun wird man den Medien wieder Meinungsmache und Volkserziehung vorwerfen. Schon erhält Kirsten Boie, wie ihr Verlag mitteilt, „Mails voller Hass und Verachtung“. Da möchte man den Barockdichter Johann Rist zitieren: „Wird dich aber einer tadlen, / Der doch selber weinig weiß, / Diesem sag’, er soll’ mit Fleiß / Seine scharfe Lästernadlen / Stecken in sein falsches Herz. / Solches bringt dem Neider Schmerz.“ Rist war der Gründer des Elbschwanenordens.

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