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Absage des Klinikchefs : Keine Schicht auf der Intensivstation für Jan-Josef Liefers

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Anpacken muss der Schauspieler woanders: Für den Chef der Uniklinik Essen ist eine Schicht von Jan-Josef Liefers in seiner Notfallmedizin kein Thema. Bild: dpa

In einem Interview sagte Jan-Josef Liefers, er habe die Einladung einer Notfallmedizinerin der Uniklinik Essen angenommen, dort eine Schicht zu machen. Jetzt kommt die Absage ihres Chefs. Mit klaren Worten.

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          Die Notfallmedizinerin Carola Holzner hatte ihn eingeladen, ihr Chef lädt ihn wieder aus: Jan-Josef Liefers wird keine Schicht auf der Intensivstation der Essener Uniklinik machen können. Der „Tatort“-Schauspieler ist einer der Hauptdarsteller der umstrittenen Kunst-Aktion #allesdichtmachen, Carola Holzner, leitende Oberärztin und im Netz als „Doc Caro“ bekannt, hatte unter dem Motto #allemalneschichtmachen dazu aufgefordert, sich selbst ein Bild von der Lage auf den mit Corona-Patienten befassten Krankenhausstationen zu machen. Liefers hatte in einem Interview gesagt, er habe sich „schon angemeldet“.

          Im täglichen Video-Talk „19 – Die Chefvisite“ nennt der Leiter der Essener Uniklinik, Jochen A. Werner, eine Schicht des Schauspielers in seinem Krankenhaus „definitiv kein Thema“. Wer bis heute nicht begriffen habe, was in Krankenhäusern geleistet wird, der begreife es auch in einer Schicht nicht.

          Bei einer Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hat ein an Berliner Kliniken tätiger Intensivpfleger auf die Aktion #allesdichtmachen geantwortet, mit eindringlichen und direkten Worten die Lage in der Pandemie beschrieben und die Politik kritisiert. „Die Intensivstationen sind voll. Da gibt es keinen Interpretationsspielraum“, sagte Ricardo Lange am Donnerstag in Berlin. Der Intensivkrankenpfleger, der nach eigenen Worten aus Brandenburg kommt und für eine Zeitarbeitsfirma arbeitet, kritisierte, dass der Personalnotstand in der Branche nicht schon vor Jahren angegangen worden sei.

          Eine gute Gelegenheit

          Er schilderte die hohe körperliche Belastung durch die Schutzausrüstung, aber auch die psychischen Herausforderungen: „In normalen Zeiten sterben die Patienten anders“, sagte Lange. Angehörige könnten die Kranken über längere Zeit begleiten. Nun sei nur noch ein letzter Besuch beim bevorstehenden Tod möglich. Das letzte Bild, das die Sterbenden sähen, seien Angehörige in kompletter Schutzmontur, es gebe keinen körperlichen Kontakt.

          Pflegekräfte packten die Verstorbenen dann zum Infektionsschutz in schwarze Plastiksäcke. „Wir legen sie dort hinein und ziehen den Reißverschluss zu. Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage: Das macht was mit einem“, sagte Lange. Man mache das nicht nur ein paar Mal, sondern unzählige Male. Wichtiger als Boni wären ihm bessere Arbeitsbedingungen. Bisher fehle ein schlüssiges Konzept, um Überlastung zu verhindern und Pflegekräfte zu unterstützen.

          Einer gewissen Betriebsblindheit sei er sich bewusst, sagte der Intensivpfleger. „Ich sehe natürlich nur die schweren Verläufe, ich sehe nur Menschen, die zum größten Teil daran versterben.“ Umgekehrt sei es aber genauso, betonte er: Wer nicht auf einer Intensivstation arbeite oder im Privatumfeld betroffen sei, sehe nur die leichten Verläufe und Menschen, die nicht erkranken. „Das wiederum heißt nicht, dass es die schweren Verläufe nicht gibt.“

          Spahn erläuterte, wie es zum Auftritt Langes kam: Nach einem Gespräch Spahns mit dem Schauspieler Jan-Josef Liefers wegen der umstrittenen Aktion #allesdichtmachen habe der Pfleger darauf hingewiesen, dass auch die Situation auf Intensivstationen eine Rolle spielen solle. „Dann hab ich gesagt, das wäre doch heute eine gute Gelegenheit.“

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