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Kein großer Wurf mehr : Der Dackel stirbt aus

  • -Aktualisiert am

Alarmierende Meldung von der Vierbeinerfront: Der Dackel stirbt aus - schneller noch als sein Herrchen. Das leidige Nachfrageproblem! Dabei war der Dackel einst umschwärmt von Hollywood- und Heimatfilmstars. Ein Rückblick mit Bildergalerie.

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          Der Dackel ist seit jeher flink, schneller gar als halbtotes Federvieh, das er als Jagdhund verlässlich einzuholen vermag. Jetzt aber scheint es ihm selbst an den Kragen zu gehen. Rascher noch als sein deutsches Herrchen eilt er dem Aussterben entgegen - ein hausgemachtes Problem, denn beide Spezies fallen letztlich der lahmen Nachfrage zum Opfer.

          Kinder wollen die Deutschen nicht mehr, weil sie zu viel Zeit, Arbeit und Geld kosten, und nun sind sie auch noch des bewährten Substitutionsguts Dackel überdrüssig geworden. Um fast vierzig Prozent sind dessen Geburtenzahlen seit 1996 gesunken, vor fünfundzwanzig Jahren wurden gar viermal so viele Welpen geworfen wie heute. Im Lichte dieser demographischen Katastrophe wirken unsere nachwuchsarmen Frauen denn doch wie Gebärmaschinen.

          „Ich liebe es, dein Fell zu streicheln“

          Die Variation der Langhaar-, Kurzhaar- und Rauhhaar-Dachshunde ist wahrscheinlich durch die Verpaarung der Dachsbracke mit Spaniel und Wachtelhunden sowie durch das Einkreuzen von Dandie Dinmont Terrier in den Biberhund entstanden. Erste Erwähnung in der Literatur findet das als mutig und selbstbewusst geltende Tier Ende des siebzehnten Jahrhunderts, seither ist es als der Deutschen liebster Hund bekannt.

          Bevorzugte überirdisch Dackel: Jacques Cousteau Bilderstrecke

          Doch das nationale Wahrzeichen wackeldackelt, was bleibt, ist die Erinnerung. Wilhelm II. schenkte seinem „Erdmann“ einst ein eigenes Hundegrab, 1972 war „Waldi“ das Maskottchen der olympischen Spiele in München, und erst kürzlich nannte Florian Langenscheidt den Zamperl als einen von zweihundertfünfzig Gründen, Deutschland zu lieben.

          Ein entzückter Prinz Henrik von Dänemark dichtete: „Ich liebe es, dein Fell zu streicheln / Du lieber, du besonderer Hund“, und die nicht minder begeisterte „Bild“-Zeitung schwärmt: „Sein Körper - faszinierend, sonderbar.“

          Wurstkörper mit krummen Beinen

          All das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Dackel mit seinem Wurstkörper und den krummen Beinen im Grunde ein ausgesprochen albern aussehendes Haustier ist, egal ob lang, kurz oder rauh behaart. Schon immer hieß es im Volksmund, der Dackel sei halb so hoch wie ein Hund und doppelt so lang.

          Der gleiche Volksmund küsste zwar auch oft genug die haarige Schnauze des Dachshundes, doch nun ist die Leidenschaft dahin. Im harten Verdrängungswettbewerb der globalisierten Welt hat der Traditionsgefährte mit seiner unattraktiven Erscheinung keine Chance gegen den blendend aussehenden Golden Retriever.

          In den Sonnenstudios werden die Halter gebräunt, in den Hundesalons die Felle gebleicht: Die Menschen werden dunkler, ihre Hunde heller, wird es heißen. Selbst zu erwartende Rettungsaktionen (Hundegeld und Hüttenzulage) werden nicht helfen. Schon beim Gassigehen läuft die Nation dem Hund hinterher, nun lässt sie ihm auch beim Gang in die ewigen Jagdgründe den Vortritt.

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