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Karikaturenstreit : Wir schreiben Geschichte

„Jetzt ist es an den Dänen, etwas zu tun” - Tareq Al Suwaidan Bild: dpa/dpaweb

Schon nach einer Viertelstunde ging es um den Sturz der dänischen Regierung. Eine Konferenz zum Dialog der Kulturen in Kopenhagen zeigt, wie sehr der Streit vor allem die muslimische Welt noch immer bewegt.

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          Der Karikaturenstreit läßt Dänemark nicht los. Eine Konferenz zum Dialog der Kulturen, die das dänische Außenministerium am Freitag mit dem arabischen Fernsehprediger Amr Khaled und dem Dänischen Institut für Internationale Studien (DIIS) in Kopenhagen ausrichtete, zeigt, wie sehr der Streit vor allem die muslimische Welt noch immer bewegt. Es dauerte nur eine Viertelstunde, da hatte der erste Gast aus dem Nahen Osten den Dänen nahegelegt, ihre Regierung zu stürzen. Die habe „einen schlechten Job gemacht“ und sei nicht bereit gewesen, die Botschafter der muslimischen Länder zu empfangen: „Jetzt ist es an den Dänen, etwas zu tun“, sagte Tareq Al Suwaidan, der Chef des kuweitischen Satellitensenders „Al Resalah“ (Die Botschaft). „Tut etwas dagegen“, dann werde auch der Boykott dänischer Produkte enden.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Kaum hatte er seinen Standpunkt vorgetragen, beeilte sich auch der als gemäßigt geltende Fernsehprediger Amr Khaled, der in Europa wie in den arabischen Ländern Anhänger um sich schart, um scharfe Töne. Er hoffe, daß jeder einsehe, daß durch die Mohammed-Karikaturen alle Muslime beleidigt worden seien. „Die Dänen und die dänische Regierung sollten mit einer humanitären Geste zeigen, daß sie sich distanzieren.“ Da konnten die Dänen auf dem Podium nur staunen. Doch kaum war das Gros der Presse verschwunden, wurde es moderater. Der Senderchef Al Suweidan bekundete sogar, daß er Dänemark für ein wunderbares Land halte, in das er, falls er Kuweit jemals verlassen müßte, gerne reiste.

          Der Kopenhagener Imam war nicht eingeladen

          Für Amr Khaled war es wichtig, so deutlich aufzutreten. Denn mit seinem Kommen allein zog er die Kritik muslimischer Gruppen auf sich. Eingeladen waren nämlich neben der Presse Referenten und Teilnehmer aus der arabischen Welt und jeweils 25 Jugendliche aus der arabischen Welt sowie aus Dänemark, nicht aber Vertreter der im Land angesiedelten muslimischen Organisationen, die den weltweiten Protest gegen die Ende September des vergangenen Jahres in der Zeitung „Jyllands-Posten“ erschienenen Mohammed-Karikaturen entfacht hatten. „Das ist die erklärte Politik“, sagte der Kopenhagener Imam Abu Laban dieser Zeitung.

          Auf sein Geheiß hin war im Dezember eine Delegation dänischer Muslime nach Kairo und Beirut gereist, um dort für die Unterstützung ihres Protestes gegen die Karikaturen zu werben. Radikale Muslime oder solche, die man dafür halte, seien zu der jetzigen Konferenz explizit nicht eingeladen worden, sagte Abu Laban. Dabei seien es die dänischen Muslime, mit denen die Regierung den Dialog suchen müsse. Gleichwohl wolle er den populären Prediger Amr Khaled nicht kritisieren. „Amr Khaled ist sehr willkommen, wenn wir nicht eingeladen sind, kommen wir nicht, und wenn irgendwelche Resolutionen verabschiedet werden, fühlen wir uns nicht an sie gebunden“, sagte Abu Laban. Doch warne er jeden davor, die Konferenz zu mißbilligen oder zu protestieren. Schließlich werde hier der Dialog aufgenommen, um den allein es ihm gehe.

          Dialog aus der Defensive

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