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Karikaturenstreit : Grass kritisiert Karikaturen als gezielte Provokation

  • Aktualisiert am
Schwere Vorwürfe gegen „Jyllands-Posten”: Günter Grass
          2 Min.

          Der deutsche Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass hat die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ scharf kritisiert. „Es war eine bewußte und geplante Provokation eines rechten dänischen Blattes“, sagte der Schriftsteller in einem Interview mit der spanischen Zeitung „El País“ (Donnerstag-Ausgabe). Den Blattmachern sei bekannt gewesen, daß die Darstellung Allahs oder Mohammeds in der islamischen Welt verboten sei. „Sie haben aber weitergemacht, weil sie rechtsradikal und fremdenfeindlich sind.“

          Von den gewalttätigen Reaktionen zeigte sich der 78jährige Autor wenig überrascht. Es sei die fundamentalistische Antwort auf eine fundamentalistische Aktion des Westens, angefangen von der Invasion in den Irak, die gegen internationales Recht verstoßen habe. Dem Westen warf Grass in der Debatte über die Karikaturen hinsichtlich der Verweise auf die Presse- und Meinungsfreiheit Selbstgefälligkeit und Arroganz vor. Die Zeitungen lebten von den Anzeigen und müßten auf gewisse wirtschaftlichen Kräfte Rücksicht nehmen. Die Presse sei Bestandteil großer Gruppen, die die öffentliche Meinung monopolisierten. Der Westen könne sich nicht weiter hinter dem Recht auf freie Meinungsäußerung verschanzen.

          „Woher nimmt der Westen diese Arroganz?“

          „Woher nimmt der Westen diese Arroganz, vorzugeben, was gemacht werden muß und was nicht?“, fragte Grass. Die Zukunft wird seiner Ansicht nach weiter explosiv sein. Die Wunden nicht nur in den arabischen sondern auch in den armen Ländern seien sehr tief. Der Westen scheine nicht in der Lage, diese Staaten als gleichberechtigte Partner anzuerkennen. Nach den Worten des Autors läßt sich über alles reden, solange dem Gegenüber die Toleranz entgegengebracht wird, die man für sich selbst beansprucht.

          Ähnlich äußerte sich in „El País“ der portugiesische Literatur- Nobelpreisträger José Saramago. Er warf den Autoren der Karikaturen Verantwortungslosigkeit vor. „Hätte der Zeichner mit den Bildern seinen Chef lächerlich gemacht, wäre er vermutlich tags darauf entlassen worden.“ Es gehe nicht darum, Selbstzensur auszuüben, sondern gesunden Menschenverstand walten zu lassen, meinte der 83jährige Schriftsteller.

          Dänischer Pen-Club steht nur sehr bedingt hinter „Jyllands-Posten“

          Der dänische Pen-Club hat sich derweil nur mit starken Vorbehalten hinter die wegen ihrer zwölf Mohammed-Karikaturen von Muslimen in aller Welt angegriffene Zeitung gestellt. In einer an diesem Donnerstag in Kopenhagen veröffentlichten Erklärung lobte der Pen-Club die „solide und gut begründete Verteidigung der Meinungsfreiheit“ durch den zuständigen Feuilletonchef der „Jyllands-Posten“, Flemming Rose.

          Gleichzeitig sei man aber der Überzeugung, daß „Meinungsfreiheit auch verantwortungsvoll wahrgenommen werden müsse, wodurch sich die Verbreitung von Rassismus sowie die Beleidigung und Verhöhnung religiöser Minderheiten verbietet“. Weiter hieß es in der Erklärung: „Einige von uns sind wegen der Veröffentlichung der Karikaturen in JP auch besorgt, weil wir meinen, daß viele Muslime JP zu Recht als feindselig und dämonisierend gegenüber ihnen als Minderheit empfinden.“

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