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Kardinal Walter Brandmüller : Das Christentum hechelt nicht nach Applaus

Täuscht der Eindruck, oder halten Sie das Pontifikat des Franziskus kirchenhistorisch für eine Episode, die von seinen Nachfolgern korrigiert werden wird?

Die Frage, wie sie vorhin schon einmal anklang, ist doch: Gibt es eine verbindliche, verpflichtende Autorität in Glaubensfragen? Die gibt es. Als Jesus sich von seinen Jüngern verabschiedete, sagte er: Ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt, gehet hin und lehret alle Völker. Und dann sagt er: Es ist gut für euch, dass ich gehe, denn dann kann der Geist der Wahrheit kommen, der Geist, der euch in alle Wahrheit einführen wird, der immer bei euch bleiben wird. Das heißt, die Apostel sind die authentischen Verkünder des Evangeliums Christi. Die Apostel-Nachfolger heute sind der Papst und die Bischöfe. Es gibt also ein kirchliches Lehramt, das verbindlich in der Autorität Jesu Christi verkündet, was Evangelium Jesu Christi ist. Diese Verkündigung geschieht so, dass sie im Gewissen verbindlich ist.

Da gibt es, auf der Linie Ihrer Darlegung gefragt, also keinen Spielraum?

Wenn ich dezidiert Nein sage zu der Verkündigung, riskiere ich mein ewiges Heil, so es sich um ein Dogma handelt. Ein Dogma kann durch ein Allgemeines Konzil oder auch durch den Papst alleine unter bestimmten Voraussetzungen in bestimmter Form verkündet werden. Es ist Dogma, dass die Ehe ein Sakrament und infolgedessen unauflösbar ist. Vergessen Sie bitte nicht, dass es das Konzil von Trient (1546 bis 1564) war, das vor dem Hintergrund der Eheskandale Heinrichs VIII. und der von Luther und Melanchthon „erlaubten“ Doppelehe Philipps von Hessen die beständige Lehre der Kirche als formelles Dogma verkündet hat.

Was heißt das konkret? Und wie heftig fiele ein Widerspruch dazu bei der Jenseitsvorsorge ins Gewicht?

Das heißt, wer behauptet, man könne zu Lebzeiten seiner rechtmäßig angetrauten Gattin eine neue Verbindung eingehen, der ist exkommuniziert, weil dies eine Irrlehre, eine Häresie ist. Wer es behauptet. Und wer es bloß tut, der sündigt schwer. Und dann kommt noch dazu, dass wer immer sich einer schweren Sünde bewusst ist – zur Eucharistie nur hinzutreten kann – wenn er vorher Buße getan, gebeichtet hat und losgesprochen worden ist. Wenn jemand also meint, dem definierten Dogma eines Allgemeinen Konzils widersprechen zu können, dann ist das schon eine heftige Sache. Ebendas nennt man Häresie – und das bedeutet Ausschluss aus der Kirche – wegen des Verlassens der gemeinsamen Glaubensgrundlage.

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Und wer, auch als Papst, das einfach für die Welt von gestern hält und sagt: Ich bin ein Mensch von heute?

Wer meint, dies sei längst durch die gesellschaftliche, kulturelle Entwicklung überholt, der stellt sich auf den Standpunkt des klassischen Modernismus von 1900. Das soll er ruhig tun. Katholisch ist das nicht mehr. Diese theologischen Modernisten – also Modernisten im technischen Sinn, nicht jetzt im allgemeinen –, haben nichts anderes getan, als sich Hegel und den Evolutionismus zu eigen zu machen. Der evolutionistische Begriff in der Theologie bedeutet: Der Mensch entwickelt sich beständig nach oben, von einer kulturellen Bewusstseinsstufe auf die andere. Und mit ihm entwickelt sich die Religion. So dass morgen wahr sein kann, was gestern Irrtum war. Und umgekehrt. Und diesen Entwicklungsgedanken, den haben die Modernisten um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert in die Theologie übertragen. Und schon haben wir den theologischen Kladderadatsch von heute.

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