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Ein Annäherungsversuch : Kann man Deutschland lieben?

  • -Aktualisiert am

Deutschland-Klischee Schrebergarten: So provinziell wie der Pathos von der „deutschen Seele“ Bild: dpa

Jemand, der das Verwurzeltsein ernst nimmt, kann die Schattenseiten seines Landes nicht übersehen. Seitdem ihn etwas an dieses Land bindet, sucht unser Autor nach einer Antwort.

          8 Min.

          Kann man Deutschland lieben? Wie oft habe ich mich das gefragt? Dass die Frage heikel ist, war mir – wie bestimmt jedem, der mit offenen Augen durch dieses Land geht – schon immer klar. Und während meines langen „deutschen Lebens“ habe ich viele Antworten sammeln können. Da ist etwa, was Schopenhauer einmal schrieb: „Mit Italien lebt man wie mit einer Geliebten, heute im heftigen Zank, morgen in Anbetung – mit Deutschland wie mit einer Hausfrau, ohne großen Zorn und ohne große Liebe.“ Das erinnert an den Spruch, die Deutschen würden die Italiener (oder überhaupt uns berühmt-berüchtigte „Südländer“) lieben, aber nicht respektieren; diese würden die Deutschen respektieren, aber nicht lieben. Eine Bekannte, Deutsche von Geburt und Herkunft, erwiderte: „Ich finde, dieses Land kann man einfach nicht lieben.“ Und ein alter Freund, dem ich mein Interesse am Thema beichtete, sagte, es sei gut, wenn ein Ausländer seine Liebe für Deutschland erklärt; tut es ein Deutscher, „macht man ihn ja fertig“. Abgesehen davon, dass ich seit Jahren deutscher Staatsbürger bin, musste ich damals denken: Wer spricht hier von einer Liebeserklärung?

          Natürlich ist die Frage schwierig. Wie sollte es anders sein, angesichts der Albträume, die Deutsche im Namen Deutschlands verwirklicht haben? Und doch: Seitdem mich etwas an dieses Land bindet – und es ist vieles –, wollte ich an keiner anderen Frage mein Verhältnis zu Deutschland messen.

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