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Stimmen aus der Ukraine : Unser tägliches Gift

  • -Aktualisiert am

Überlebensgroß: Putin Anfang März auf einem Plakat in Simferopol auf der Krim. Bild: AFP

Wie konnte der Putinismus Russland in weiten Teilen derart infizieren? Schließlich handelt es sich bei diesem um einen menschen- und lebensverachtenden Führerkult, der Recht und Freiheit unterbinden will.

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          In diesen Tagen, da durch den Krieg gegen die Ukraine der Putinismus sein innerstes Wesen so endgültig und unmissverständlich offenbart und in die verbrecherische Tat umsetzt, fragen wir uns, wieso er es vermochte, so verheerend große Teile der russischen Gesellschaft zu ergreifen. Der Putinismus ist aus dem „Großraschismus“ ((der Neologismus umschreibt ein Amalgam aus Großrussentum und Faschismus) gewachsen, er ist seine aktuelle Vollendung und seine ideologische Spitze. Der Putinismus verleiht wiederum dem Großraschismus seine gegenwärtige, vermeintlich schlüssige Erzählung. Und es fragt sich mit großer Dringlichkeit, wie die Entputinisierung dieser Gesellschaft vonstatten gehen soll, wenn nicht einmal die Entstalinisierung stattgefunden hat.

          Der Putinismus, der sich in diesen Tagen zu einer totalitären Diktatur entwickelt, gibt sich gern erratisch und vieldeutig, ist aber im Kern leicht auszumachen: chauvinistischer Imperialismus, völkischer Mystizismus, messianischer Größenwahn, eschatologischer Revanchismus, apokalyptischer und militaristischer menschen- und lebensverachtender Macht- und Führerkult, tiefste Verachtung für Recht und Freiheit und Selbstbestimmung.

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