https://www.faz.net/-gqz-75y39

Kampf um die Frauenquote : Warum klappt das mit den Frauenrechten nicht?

  • -Aktualisiert am

Warum steigt die Zahl der Professorinnen an unseren Hochschulen so langsam? Der Anteil von Professorinnen in der Türkei sei um ein Vielfaches höher als bei uns, sagte ich im Frauennetzwerk. „In Iran bestimmt auch“, wurde zurückgegeben. Müssen wir uns also gar nicht fragen, warum es so lange gedauert hat, bis das Thema bei uns auf den Tisch kam? Und warum die Verhältnisse anderswo (in manchen Bereichen) frauenfreundlicher sind, selbst in Diktaturen? Das könnte ja auch etwas mit uns Frauen zu tun haben.

Mit Frauenpower für die Quote

Es herrscht Aufbruchstimmung wie zuletzt in der Frauenbewegung vor vierzig Jahren. Frauen treffen sich, diskutieren, entwerfen Strategien. Sie klagen, dass unter den hundert teuersten Künstlern der Welt der Frauenanteil bei zwanzig Prozent stagniert. Auf der Liste der Top 100 DJs gibt es nur eine Frau.

Eine Teilnehmerin des Frauennetzwerks erzählte, sie sei viele Jahre lang gegen die Quote gewesen. Sie hatte Erfolg - auch ohne Quote. Dann fiel ihr auf, wie oft sie die einzige Frau in der Männerrunde war, dass der Mann immer Chef wurde und die Frau immer nur Stellvertreterin. Jetzt, mit all der Frauenpower im Rücken, begehre sie auf und kämpfe für die Quote. Man kann schon fragen: Warum erst jetzt?

Vor einiger Zeit erklärte mir eine Wissenschaftlerin, wie sie ohne Probleme ganz nach oben aufgestiegen sei, während nur sehr wenige andere ihr hoch in den deutschen Elfenbeinturm folgten. Wie die Chefs peinlich darauf geachtet hätten, welche Frau nachkam. Überraschenderweise sei keine dieser Frauen Deutsche gewesen, sondern sie stammten alle, wie sie selbst, aus dem Ausland. „Amerikanerinnen, Italienerinnen, Australierinnen. Als würden diese Frauen als kompetenter wahrgenommen.“ Eine Zeitlang scheint das auch in der deutschen Wirtschaft so gewesen zu sein.

Multikulti in der Führungsetage

Der Antritt der ersten und bislang einzigen Frau im Rat der Wirtschaftsweisen, Beatrice Weder di Mauro, war eine große Sache. Der inzwischen zur Großbank UBS gewechselten Schweizerin ist bisher keine Frau gefolgt, auch keine deutsche. Natürlich spielt es keine Rolle, wo jemand herkommt, es ist aber doch merkwürdig, dass die Multikulturalität in der Führungsetage zuerst bei den Frauen durchgesetzt wurde. Aber all das ändert sich gerade rasant. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Deutschland sucht händeringend weibliche Führungskräfte.

Währenddessen reden wir Frauen noch über Grundsatzfragen, gründen Netzwerke, überlegen Aktionen, geben uns kämpferische Namen. Bei uns geht es, mal wieder, um Revolution, nicht um den unspektakulären Alltag der Ungerechtigkeit. Aber vielleicht wird die Quote, während wir noch diskutieren, ja schon von der luxemburgischen Pragmatikerin und EU-Justizkommissarin Viviane Reding europaweit durchgesetzt. Und dann? Dann geht es um ganz handfeste Dinge. Wie es funktioniert, wenn Macht und Praxis keine Frage des Geschlechts mehr sind.

Weitere Themen

«Gabriel» von George Sand Video-Seite öffnen

Spielplanänderung : «Gabriel» von George Sand

Jella Haase, bekannt aus „Fack ju Göhte“ und „Berlin Alexanderplatz“, entdeckt unter der Regie der jungen Regisseurin Laura Laabs die Abgründe des kapitalistischen Systems und das anarchistische Wesen des weiblichen Geschlechts in einem bislang noch nicht uraufgeführten Text der französischen Schriftstellerin George Sand.

Topmeldungen

Gute Bekannte: Joe Biden mit dem früheren amerikanischen Außenminister John Kerry, der Sonderbeauftragter für Klimaschutz werden soll

Team aus alten Weggefährten : Das soll Bidens Kabinett werden

Mehr Frauen, weniger schillernde Figuren – und ein deutliches Bekenntnis zum Klimaschutz: Joe Bidens künftiges Kabinett bildet einen deutlichen Kontrast zu dem seines Amtsvorgängers.
Black is beautiful

Black Friday : Wie spare ich wirklich?

Cyber Monday und Black Friday versprechen Tiefpreise. Doch nicht jedes vermeintliche Angebot ist gleich ein Schnäppchen. Wie können Verbraucher wirklich sparen?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.