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Kampagne gegen Woody Allen : Man nennt es Pluralismus

  • -Aktualisiert am

Vom „regnerischen Tag“ in die Traufe: Regisseur Woody Allen in Cannes. Bild: dpa

In der absurden Kampagne gegen Woody Allen soll Recht durch Moral ersetzt werden. Wer noch einen Pfifferling auf unsere freiheitliche Grundordnung gibt, darf das nicht dulden.

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          Man kann derzeit nicht oft genug daran erinnern, wie die Kultur- und Meinungskämpfe vor dreißig Jahren aussahen. Jedenfalls in meiner österreichischen Jugend. Dauernd wollten die Rechtskonservativen etwas weghaben und verbieten, Elfriede Jelinek war ihnen zu männerhassend, die Wiener Gruppe zu ordinär und Thomas Bernhard ein unerträglicher Nestbeschmutzer, weil er seine wuchtige Schreibfaust direkt in die verborgene Naziwunde der Alpenrepublik bohrte. Manchmal musste man es selbst den eigenen Eltern erklären: Du musst da ja nicht hingehen, wenn die Schauspieler nackt sind und obszöne Sachen schreien. Aber es muss erlaubt sein, sogar im Burgtheater. Man nennt das Kunst- und Meinungsfreiheit, es ist ein hohes Gut. Das Gegenteil sind verbrannte Bücher.

          Als viel später Martin Walsers Text „Tod eines Kritikers“ schon vorab in Literaturkreisen zirkulierte, konnte man von Herzen abgestoßen sein. Doch für dessen Veröffentlichung wären wir demonstrieren gegangen! Natürlich gibt es immer einzelne, die in solchem Fall ihren Verlag protestierend verlassen oder einen Preis zurückgeben, weil ihnen ein späterer Träger politisch nicht passt. Individuelle Grenzziehungen bleiben jedem unbenommen. Den Aufgebrachten und Empörten stellt sich, weil es von ihnen selbst ein Opfer fordert, damit gleichzeitig die entscheidende Frage: Ist es mir das wirklich wert? Oder bleibe ich lieber doch ein Suhrkamp- oder Rowohlt-Autor, auch wenn ich die Bücher von XY neben meinen dulden muss?

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