https://www.faz.net/-gqz-9xcot

Kampagne gegen Woody Allen : Man nennt es Pluralismus

  • -Aktualisiert am

Vom „regnerischen Tag“ in die Traufe: Regisseur Woody Allen in Cannes. Bild: dpa

In der absurden Kampagne gegen Woody Allen soll Recht durch Moral ersetzt werden. Wer noch einen Pfifferling auf unsere freiheitliche Grundordnung gibt, darf das nicht dulden.

          3 Min.

          Man kann derzeit nicht oft genug daran erinnern, wie die Kultur- und Meinungskämpfe vor dreißig Jahren aussahen. Jedenfalls in meiner österreichischen Jugend. Dauernd wollten die Rechtskonservativen etwas weghaben und verbieten, Elfriede Jelinek war ihnen zu männerhassend, die Wiener Gruppe zu ordinär und Thomas Bernhard ein unerträglicher Nestbeschmutzer, weil er seine wuchtige Schreibfaust direkt in die verborgene Naziwunde der Alpenrepublik bohrte. Manchmal musste man es selbst den eigenen Eltern erklären: Du musst da ja nicht hingehen, wenn die Schauspieler nackt sind und obszöne Sachen schreien. Aber es muss erlaubt sein, sogar im Burgtheater. Man nennt das Kunst- und Meinungsfreiheit, es ist ein hohes Gut. Das Gegenteil sind verbrannte Bücher.

          Als viel später Martin Walsers Text „Tod eines Kritikers“ schon vorab in Literaturkreisen zirkulierte, konnte man von Herzen abgestoßen sein. Doch für dessen Veröffentlichung wären wir demonstrieren gegangen! Natürlich gibt es immer einzelne, die in solchem Fall ihren Verlag protestierend verlassen oder einen Preis zurückgeben, weil ihnen ein späterer Träger politisch nicht passt. Individuelle Grenzziehungen bleiben jedem unbenommen. Den Aufgebrachten und Empörten stellt sich, weil es von ihnen selbst ein Opfer fordert, damit gleichzeitig die entscheidende Frage: Ist es mir das wirklich wert? Oder bleibe ich lieber doch ein Suhrkamp- oder Rowohlt-Autor, auch wenn ich die Bücher von XY neben meinen dulden muss?

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            im F.A.Z. Digitalpaket

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Verurteilter Vergewaltiger : Wer ist der Verdächtige im Fall Maddie?

          Christian B. stammt aus Würzburg und verbüßt gerade eine Haftstrafe in Kiel. Aus Gerichtsberichten lässt sich das Leben eines Mannes nachzeichnen, der immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geriet – und durch brutale Taten auffiel.
          Keir Starmer, Vorsitzender der Labour-Partei, spricht vor seinem Haus mit Journalisten.

          Labour-Chef teilt aus : Frontalangriff auf Boris Johnson

          In der nationalen Krise scheute sich die britische Opposition lange davor, zu viel Kritik am Premierminister zu üben. Doch jetzt holt Labour-Chef Keir Starmer den Säbel raus.
          Betrachtet man Pornographie als eine Droge, handelt es sich um eine, die so leicht verfügbar ist wie nie zuvor. (Symbolbild)

          Porno-Sucht : Den Sex zu zweit muss er erst lernen

          Martin Beck war sein halbes Leben lang süchtig nach Pornos. Jetzt will er widerstehen. Und sucht nach dem richtigen Umgang mit Ecken des Internets, aus denen er sich eigentlich fernhalten will.