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Kampagne der „Bild“-Zeitung : Wie Mesut Ö. ausgebürgert werden sollte

Spielverderber, Heulsuse, Memme: Özil einen Jammerlappen zu nennen, ist die Logik der Schulhofkämpfe, mit denen eine deutsche Tageszeitung sonst vor dem Ende der multikulturellen Gesellschaft warnt. Aber „Bild“ ist nicht Deutschland.

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          Die Schlagzeile auf der Titelseite der deutschen Tageszeitung mit der höchsten Auflage sah gestern so aus: „ÖZIL – Jammer-Rücktritt ... und seine wirre Abrechnung mit Deutschland!“ Wochenlang hatte die „Bild“-Zeitung beklagt, dass Mesut Özil keine öffentliche Erklärung zu dem Foto abgab, das ihn und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Erdogan zeigt. Nun äußerte sich Özil, schriftlich, in einem dreiteiligen Text, der länger sein dürfte als jeder Artikel, der je in der „Bild“ gedruckt wurde oder jedenfalls seit dem Vorabdruck aus „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Um den Autor der Erklärung in eigener Sache herabzusetzen, um den Höhepunkt jeder Boulevardkampagne mit oder ohne Fußball auszukosten, den Moment des Nachtretens, hätten dem Schlagzeilenmacher im Springer-Haus verschiedene Begriffe zur Verfügung gestanden. „Bild“ hätte Özil als trotzig und unbelehrbar hinstellen können. Zwanglos hätte sich daran eine Betrachtung über die fatale Hochschätzung der Ehre in der türkischen Mentalität knüpfen lassen, mit Seitenblicken auf Kopftuch und Ehrenmord. Aber dann wäre der Triumph nicht komplett gewesen. Man musste Özil als Schwächling beschimpfen und ihn einen Jammerlappen nennen. Das ist die Logik jener Schulhofkämpfe, mit denen „Bild“ sonst die Warnungen vor einem Auseinanderbrechen unserer multikulturellen Gesellschaft illustriert.

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