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Jutta Ditfurth im Gespräch : Die Provokation bin ich

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Da sitzen Redakteure im Publikum und klatschen an, und das Publikum fällt ein, manchmal bei völlig gegensätzlichen Aussagen. Aber gelegentlich gibt es Raum für echte Diskussionen. Zu Lanz kommen die Zuschauer mit Busunternehmen, die ihnen Tickets verkaufen. Sie wissen nicht, was das Thema ist und wer die Gäste sind. Sie sind ein, zwei Stunden vorher da und dürfen gratis trinken. In der Zeit unterhält sie eine Art Animateur. Der macht das wirklich geschickt. Er sitzt dann in der Sendung rechts oben – die Kamera zeigt ihn nie –, und das Publikum vertraut ihm. Wenn er klatscht, klatscht es auch.

Woher kommt die Angst? Gerade Ihnen gegenüber spürte man das, als Sie versuchten, die Zusammensetzung der Steinewerfer in Hamburg nur zu beschreiben. Maischberger brach das ab.

Es gibt den bildungsbürgerlichen Anspruch nicht mehr, sich in anderen als dem eigenen Milieu auch nur auszukennen, geschweige denn dissidente Haltungen wenigstens zu begreifen. Einige wollen sich in der Auseinandersetzung nicht blamieren. Also wird man eingepfercht. Dieser Umgang mit antiautoritären linken Positionen beschreibt den gegenwärtigen Zustand der nach rechts gerückten Gesellschaft doch ganz gut.

Jutta Ditfurth als Gast in der Sendung „Maischberger“ im Juni

Wie geht man damit um?

Ich weiß doch, wo ich lebe. Wenn ich das nicht begriffen hätte, wär ich schon lange verzweifelt.

Wann haben Sie das begriffen?

Ende der achtziger Jahre, in den irrsinnig harten Auseinandersetzungen bei den Grünen, als Leute wie ich strategischen politischen Interessen im Weg standen.

Aber Sie waren doch schon vorher unbeeindruckt und souverän. Bei Franz Josef Strauß etwa.

Da hatte ich ziemlich Lampenfieber, bekam im Studio noch eine Kamera an den Kopf, aber ich habe mich inhaltlich immer gut vorbereitet.

Braucht man Tricks? Taktische Fouls?

Nein. Die Provokation besteht schon darin, dass eine wie ich da sitzt und ihre Meinung möglichst verständlich begründet. Es ist ja objektiv knifflig: Meist ist die Besetzung drei oder vier gegen dich. Die anderen können mit wenigen Worten das vermeintlich Selbstverständliche abrufen, was Leute jeden Tag in der Zeitung lesen. Aber ich muss eine oft wenig bekannte Position in kurzer Zeit verständlich machen. Foulen wäre, wenn ich jemanden mit Dingen, die ich privat über ihn weiß, vorführe. Aber da beiße ich mir eher die Zunge ab.

Apropos Redezeit: Ich habe die einzelnen Beiträge der Maischberger-Sendung grob gestoppt.

Sollen wir wetten, dass ich nicht auf Platz 1 bin?

Stimmt. Das war Jörges mit fast zwölf Minuten.

Ich schätze, dass ich auf Platz 3 oder 4 lag.

Platz 2 war erstaunlicherweise Barley mit zehneinhalb Minuten. Auf 3 Polizist Lenders mit neuneinhalb. Dann Bosbach und Sie mit neun Minuten. Der höfliche Aken hatte nicht mal sieben Minuten.

Ich war mal bei Erich Böhme, und da wurde in der Sendung behauptet, ich würde so viel reden. Später schickte mir eine Wissenschaftlerin aus einem Uni-Projekt ihre Analyse. Sie hatten alles gemessen, und kein Vorwurf traf zu.

Woher kommt der falsche Eindruck?

Selbstbewusste Frauen mit politischer Meinung werden in unserer Gesellschaft als aggressiver und dominanter empfunden als Männer. Wenn du dann den Anspruch auf gleiche Redezeit erhebst, bist du das Monster. Also muss ich aufpassen. Klar habe ich Temperament, aber mein Verstand kontrolliert es.

Was wäre denn die ideale Talkshow?

Ich wäre gern die Interviewerin. Ein kleines schwarzes Studio ohne Publikum. Und dass ich mich auf meine Gesprächspartner gut vorbereiten kann. Wie Günter Gaus, nur moderner. Zweimal hab ich das versucht, einmal hat es ein Bischof verhindert, das andere Mal jemand in der Bertelsmann-Spitze. Markus Peichl, der „Tempo“-Erfinder, hatte mich im Winter 1990/91 als Moderatorin für die neue Talkshow „0137“ bei Premiere gecastet, und ich sollte es werden. Das passte irgendwem bei Bertelsmann nicht, und sie schickten einen alten Jugendfreund von mir, der mir mit verdrucksten Worten absagen musste. So wurde es Roger Willemsen.

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