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Jutta Ditfurth im Gespräch : Die Provokation bin ich

  • -Aktualisiert am

Oder die Diskussion gezähmt ist. Andererseits sind planvolle Zusammensetzungen der Gäste sinnvoll, um die notwendige Spannung zu schaffen. In den Redaktionen sitzen zum Teil ja politisch gebildete Menschen.

Den Streit mit Lenders und Bosbach gab’s dann ja auch.

Die Kommunikation zwischen den beiden war total interessant, aber das scheint man am Bildschirm nicht gesehen zu haben. Wie in einer Zange. Bosbach sollte wohl den Weltmann spielen. Lenders hatte wohl den selbstgesetzten Auftrag, mich durch ständiges Bepöbeln von der Seite rauszunehmen. Es zu schaffen, mich einzuschüchtern – das kann er sich nicht eingebildet haben.

Die Sitzordnung macht die Sendung.

Ich sitze manchmal ganz außen, was ich nett finde, da hat man einen guten strategischen Punkt. Aber das ist es nicht allein – kennen Sie Männer, die mit röhrender Stimme in Ihren privaten Raum eindringen? Lustig ist, wie empfindlich die reagieren, wenn man sie verspottet.

Das hat man gesehen, als Sie Lenders mit dem Fächer geärgert haben.

Zufall. Ich bin Rechtshänderin. Aber rechts von mir saß Maischberger, und da ich das Spiel mitkriegen wollte, hab ich den Fächer nach links genommen. Lenders blökte mir die ganze Zeit von links ins Ohr, halblaut, damit die Zuschauer es nicht mitbekommen. Durch den Fächer war ich geschützt, das hat ihn maßlos genervt. War nicht meine Absicht, aber jetzt weiß ich, wofür das gut ist.

Sagen Sie auch Anfragen ab?

Ja. Für mich ist maßgeblich: Interessiert mich das Thema? Ist die Sendung nazifrei? Habe ich den Spielraum, linke Positionen zu vermitteln?

Gibt es für Sie Unterschiede zwischen den einzelnen Talkshows?

Die rationalste Talkrunde – wir schrauben jetzt alles runter, was eine Gesprächsrunde sein könnte, und reden nicht von „Club 2“ oder Günter Gaus –, in der man tatsächlich ab und zu eine Position äußern kann, ist „Anne Will“. „Hart aber fair“ hatte eine gute Redaktion. Die Leute denken immer, die Moderatoren machen die Sendung allein. Aber das stimmt nicht.

„Club 2“?

ORF. Supersendung. War auch viel Schrott dabei, und Günther Nenning, der das lange moderiert hat, war eine ambivalente Figur zwischen konservativen und linken Positionen. Der hat oft politischen Blödsinn geredet, aber er war großzügig im Zulassen anderer Meinungen. Da liefen legendäre Diskussionen. Einmal war Matthias Walden für den Axel-Springer-Verlag da, ein alter Rechter, Feind der Studentenbewegung, sowie Kurt Sontheimer. Und auf der anderen Seite Rudi Dutschke und Cohn-Bendit. Rudi war klasse, wenn auch nicht immer unbedingt verständlich, Cohn-Bendit war das, was er halt ist, irgendwie auch ein eitler Hampelmann. „Club 2“ war was Besonderes. Das Prinzip: Wir diskutieren so lange, bis es uns nicht mehr interessiert. Manchmal drei, vier, fünf Stunden.

Wenn wir in alten Zeiten schwelgen: Wie war’s bei „3 nach 9“?

Ich weiß nicht, ob ich jemals da war, seit Giovanni di Lorenzo das macht. Es gab eine Moderatorin, Juliane Bartel, die ist früh gestorben, die mochte ich.

Mit der hat di Lorenzo doch schon moderiert.

Vielleicht war ich da auch mal. Heute ist das so gefällig. Bei Wolfgang Menge war das anders. In vieler Hinsicht ein Kotzbrocken – rede mit dem über die Frauenfrage und du willst ihm eine scheuern. Aber ihm war total egal, was die Leute von ihm hielten. Der hatte kein Imageproblem, sondern wollte sich über Wichtiges streiten. Wer macht das heute?

Plasberg schon mal nicht.

„Hart aber fair“ hat eine strenge und enge Gliederung, fünf bis acht Akte, scharf getrennt durch Einspieler. Und wenn was abdriftet, gibt es diese nette Redakteurin, die erzählt, was die Zuschauer schreiben. Für den Moderator birgt das eine große Sicherheit. Aber dem Gast lässt es manchmal auch ein bisschen Luft.

Maybrit Illner?

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