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Julia Voss : Die Sprachen der Evolutionstheorie

  • -Aktualisiert am

Akademie-Präsident Klaus Reichert überreicht Julia Voss den Sigmund-Freud-Preis Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat Julia Voss, Redakteurin der F.A.Z., mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa ausgezeichnet. Ihre Dankrede.

          Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat mir ein Lob ausgesprochen und gleichzeitig auch ein Versprechen abgenommen. Sie hat sich mit mir eine junge Preisträgerin ausgesucht, die nun in den nächsten Jahren das Vertrauen, das in sie gesetzt wurde, einlösen muss. Das Lob macht mich überglücklich; das Versprechen macht mich nervös. Ein wenig Mut hat mir jedoch gemacht zu entdecken, als ich die Liste meiner beeindruckenden Vorgänger durchgegangen bin - darunter in fünfundvierzig Jahren nur zwei Frauen -, dass ich in einer Hinsicht nicht allein bin: Den Sigmund-Freud-Preis haben in den letzten beiden Jahren der Evolutionsbiologe und Ökologe Josef H. Reichholf und der Wissenschaftshistoriker Michael Hagner erhalten. Ich bin damit im dritten Jahr in Folge eine Autorin, die über Biologie und die Lebenswissenschaften geschrieben hat. Auch unter den frühen Preisträgern findet sich ein Biologe: 1965 wurde Adolf Portmann mit dem Sigmund-Freud-Preis ausgezeichnet, der Schweizer Naturforscher und Philosoph.

          Der Grund dafür, dass sich unter den Preisträgern immer wieder Autoren finden, die über Naturwissenschaft schreiben, besteht wohl darin, dass uns Forscher auf der einen Seite fast täglich mit ihrem Erfindergeist, ihrer Kreativität und Phantasie zu begeistern vermögen; wir vertrauen der Wissenschaft und verlassen uns auf sie, sei es in der Technik oder der Medizin. Auf der anderen Seite empfinden wir die Formen der Naturbeherrschung, die durch die Wissenschaft hervorgebracht worden sind, auch als Gefahr. Und deshalb sind wir darauf angewiesen, die Welt der Labore, Formeln, Statistiken, Geräte und Bilder, in unsere Sprache zu überführen. Als die Religion noch das gesellschaftliche Leben bestimmte, entwickelte sich zusammen mit der Demokratie eine kritische Religionswissenschaft, die im 19. Jahrhundert den Prozess der Säkularisierung begleitete. Im 20. Jahrhundert hat sich eine kritische Wissenschaftsgeschichte und -philosophie herausgebildet, mit noch offenem Ende.

          Wissenschaftsgeschichte im Dreischritt

          Dass die Welt, in der wir leben, sich durch die Naturwissenschaft veränderte, daran hat uns Sigmund Freud, nach dem dieser Preis benannt ist, eindringlich erinnert. Er prägte die Wendung vom Menschen als „Prothesengott“, der sich durch die Technik Hilfsorgane angelegt habe, die dazu beitrugen, seine Macht unendlich zu vermehren. Freud kommentierte aber nicht nur den technischen Fortschritt. Sein Denken und Schreiben war mit den Lebenswissenschaften verwachsen, der Medizin und insbesondere der Biologie. „Ich lebte bereits“, schrieb Freud 1932 rückblickend, „als Charles Darwin sein Werk 'Über die Entstehung der Arten' veröffentlichte.“ Sigmund Freud wurde 1856 geboren, drei Jahre später erschien Darwins Gründungswerk der Evolutionstheorie. Ein Vierteljahrhundert lebten Freud und Darwin als Zeitgenossen; als Darwin, dreiundsiebzigjährig, in Downe in der englischen Grafschaft Kent starb, war Freud war fünfundzwanzig Jahre alt.

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