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Jugendamt und Sorgerecht : Warum ohne seine Tochter?

Man meint einen geradezu spöttischen Unterton herauszuhören, wenn die Karlsruher Richter das von ihnen gerügte Amtsgericht Paderborn, dem sich das Oberlandesgericht Hamm anschloss, wie folgt wiedergeben: Der afrikanische, um sein Sorgerecht kämpfende Beschwerdeführer „sei derzeit nur eingeschränkt erziehungsfähig. Dies habe die Sachverständige, welche dem Gericht auch aus anderen Verfahren als kompetente und erfahrene Gutachterin bekannt sei, in ihrem schlüssigen, nachvollziehbaren und uneingeschränkt verwertbaren Gutachten festgestellt, dem das Gericht sich vollumfänglich anschließe.“

Das beschworene Optimum der Erziehung

Im nächsten Schritt wird ebendieses Gutachten vom Bundesverfassungsgericht ungerührt als unschlüssig, schlechterdings nicht nachvollziehbar und unverwertbar qualifiziert. Argument für Argument wird geprüft und für zu leicht befunden. Das ist eine Backpfeife, die sitzt. Vor allem aber fragt sich der sprichwörtlich unbescholtene Bürger: Was mag von Staats wegen alles möglich sein, wenn dies an Gerichten in Paderborn und Hamm möglich war? Wie schnell kann jemand auf dem Wege einer ad hoc wirksamen jugendamtlichen Vormundschaft von seinen Kindern getrennt werden, ohne dass man erst einmal viel dagegen machen kann? Es dauert ja Monate, bis eine Korrektur aus Karlsruhe greift.

In der Tat sind solche Befürchtungen nicht von der Hand zu weisen. In der jetzt verworfenen Gutachter-Logik kommt jedermann schnell in Teufels Küche. Was wurde im vorliegenden Fall nicht alles aufgeboten, welcher Aufwand an Aberwitz getrieben, um einem Vater sein Kleinkind wegzunehmen! Ein Kind wohlgemerkt, dem von seinem Vater offensichtlich nie auch nur ein einziges Haar gekrümmt worden ist, es hat mutmaßlich zu keinem Zeitpunkt einen Akt der Gewalt gegeben. Im Gegenteil springt die väterliche Zuwendung ins Auge, da sind sich alle Seiten einig. Was im Raum steht, ist allein die Möglichkeit, das beschworene Optimum der Erziehung - was immer dies für den Einzelfall heißen mag - zu verfehlen.

Bigotte Maßstäbe

Da wird von der Sachverständigen geltend gemacht, „dass der Kindesvater durch sein Verhalten das ängstliche Verhalten des Kindes eher durch starkes Schaukeln und lauteres Ansprechen verstärkt, statt es aufzulösen“. Es fehle ihm an der Fähigkeit, „die feinen Signale der Tochter“ zu erkennen, entsprechend sei die Entwicklung von Selbstwirksamkeitsvorstellungen und Selbstwertgefühl gefährdet. Hier hört man jeden Floh husten und überhöht mit Psychojargon, um dem Kindsvater eine autoritäre und gewaltbereite „afrikanische Erziehungsmethode“ zu unterstellen, weswegen „Nachschulungen“ im Hinblick auf „die Einsichtsfähigkeit in die europäischen Erziehungsmethoden“ für erforderlich gehalten werden. Für die Vermittlung der „Rechts- und Werteordnung unseres Staates“ sei der Vater seiner Tochter jedenfalls ebenso wenig ein „Vorbild im rechtsstaatlichen Sinne“ wie für ein „adäquates Verhältnis zu Dauerpartnerschaft und Liebe“. Und so in einem fort.

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