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Jüdisches Leben in Deutschland : Was gültig bleibt

Am Weinbergspark in Berlin. Bild: Daniel Pilar

Ein Gastbeitrag berichtete von der wachsenden Angst vieler junger Israelis, in Deutschland als Juden nicht sicher leben zu können. Der Beitrag bedarf einer Korrektur, die seine Botschaft allerdings nicht ändert.

          2 Min.

          Am vergangenen Sonntag hat der israelische Journalist Ze’ev Avrahami, der in Berlin ein Restaurant betreibt, im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung einen Text geschrieben. Wir waren beeindruckt vom Ton und der Entschiedenheit dieses sehr persönlichen Textes, uns hat aber vor allem seine Botschaft alarmiert, weswegen wir ihn an prominenter Stelle gedruckt haben, damit er die Aufmerksamkeit bekommt, die er, aus unserer Sicht, verdient.

          Tobias Rüther
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Avrahamis Text handelt von den vielen jungen Israelis, den Enkelinnen und Enkeln der Holocaust-Überlebenden, die, wie Avrahami, seit Jahren nach Deutschland gezogen sind, ins Land der Täter und ihrer Nachkommen, und wie aber unter diesen Israelis jetzt die Angst wächst, in Deutschland – und nicht nur hier – als Juden, als Israelis nicht sicher leben zu können: „Anfangs hat man uns erzählt, es seien nur einige arabische Viertel, die wir meiden sollten, dann hat man uns erzählt, wir sollten besser nicht die AfD-Regionen um Berlin besuchen, und dann stellten wir fest, dass wir unsere Identität sogar in Prenzlauer Berg verbergen müssen, wenn wir nicht mit dem Gürtel ausgepeitscht werden wollen. Ihr habt uns im Stich gelassen. Ihr habt eure Verantwortung dafür aufgegeben, unser Recht zu schützen, dass wir unser Leben hier als Juden leben können. Genau so fühlen wir uns. Wir fühlen uns nicht, als wäre 1933, wir fühlen uns, als wäre 1928. So fühlen wir uns, und die Uhr läuft ziemlich schnell.“

          Ze’ev Avrahami, der als Journalist unter anderem für die israelische Zeitung „Ha’aretz“ geschrieben hat, erzählt aus dem eigenen Leben: Von einem palästinensischen Falafelverkäufer beispielsweise, auf einem Markt in Berlin, der ihn und auch andere Israelis beschimpft habe; und von einem Marktleiter, der erklärte, der Falafelverkäufer sei eigentlich ein toller Typ, Probleme gebe es nur, wenn Juden auf den Markt kämen. Er erzählt davon, wie er mit seinen Kindern in Kopenhagen zufällig an einer palästinensischen Demonstration vorbeiläuft und dann, aus Angst, seinen Kindern, verbietet, auch nur ein Wort auf Hebräisch zu sprechen, obwohl er seit ihrer Geburt nur Hebräisch mit ihnen spricht.

          Haben wir zu viel dafür verlangt?

          „Wir müssen zweimal nachdenken, bevor wir unsere Sprache in der Öffentlichkeit sprechen, wir wagen nicht, unsere Kippa zu tragen.“

          Und Avrahami erzählt auch von einer Berliner Freundin, die mit ihrer Familie nach Israel gezogen sei und dort, noch bevor sie zur Gedenkstätte Yad Vashem gefahren sei, um sich der deutschen Vergangenheit zu stellen, an einer Busreise nach Hebron im Westjordanland teilgenommen habe, wo eine kleine Gemeinde israelischer Siedler von einer großen Zahl israelischer Soldaten geschützt werde, und wie die Freundin auf Facebook über das Verhalten dieser Soldaten gegenüber der arabischen Bevölkerung geschrieben habe und wie wütend Avrahami darüber gewesen sei. Die Freundin, die im Text nicht namentlich erwähnt wird, hat sich daraufhin bei uns gemeldet und bestreitet, sehr glaubhaft, Avrahamis Darstellung: Sie legt Wert auf die Feststellung, dass sie in Yad Vashem gewesen sei, bevor sie nach Hebron fuhr. Und dass sie und ihre Familie sich in diesen Passagen verzerrt geschildert sehen. Wir bedauern den Fehler und möchten ihn hiermit korrigieren.

          Die Botschaft des Textes von Ze’ev Avrahami ändert diese Korrektur allerdings nicht: Israelis und Juden sorgen sich um die Sicherheit ihres Lebens in Deutschland, fühlen sich nicht ausreichend geschützt und in ihren Rechten verteidigt. „Die dritte Generation der Post-Holocaust-Deutschen war so damit beschäftigt, ihre Schuld abzutragen“, schreibt Avrahami, „dass sie darüber ihre Verantwortung vergessen hat.“ Und: „Wir kamen hierher, die Enkel der Überlebenden, um jüdisches Leben in Berlin neu zu beleben. Kennt ihr einen nobleren Weg der Vergebung? Und wir haben euch sogar angeboten, euch durch unsere Vergebung von der Schuld reinzuwaschen. Haben wir zu viel dafür verlangt?“

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