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Jüdischer Antisemitismus : Kurzer Lehrgang über den Selbsthass

  • -Aktualisiert am

Im aktuellen Streit der chronischen Tochter Galinski gegen Henryk Broder ist ein neuer Akteur aufgetreten, der chronische Sohn, Professor Alfred Grosser, dessen Vater Professor Paul Grosser von 1908 bis 1933 in Frankfurt wirkte, zuletzt als Chefarzt des Clementine (Rothschild) Kinderkrankenhauses.

„Veranstaltung für den Frieden“

In einem umfangreichen Artikel in der „Frankfurter Rundschau“ vom 19. Februar 2007 schilderte Grosser, der viele Jahre Kolumnist der katholischen Zeitung „La Croix“ in Paris war, seine Probleme bei der Veröffentlichung seiner israelkritischen Texte. Seine Artikel wurden entweder nicht gedruckt oder zensiert. Wie viele Antizionisten hebt Grosser zur Verstärkung seiner Argumente ausführlich seine jüdische Herkunft hervor. Im erwähnten FR-Artikel werde ich namentlich der Verhinderung einer Lesung in Frankfurt beschuldigt. Diese Anklage wiederholte Grosser ohne Namensnennung in dieser Zeitung in seinem Beitrag „Verschleierung als Methode“ vom 1. September (siehe:Antisemitismusstreit: Alfred Grosser antwortet auf Broder) .

Der Sachverhalt: Der einschlägig bekannte jüdische Antizionist Abraham Melzer hatte 2006 für eine Lesung des Buches von Rupert Neudeck „Ich will nicht mehr schweigen. Über Recht und Gerechtigkeit in Palästina“ einen Raum in der evangelischen Heilig-Geist-Kirche in Frankfurt gemietet. Er hatte die Lesung als „Veranstaltung für den Frieden“ deklariert, jedoch verschwiegen, dass er dort auch ein Buch von Hajo G. Meyer vorstellen wollte, dessen Titel er dem 1931 erschienenen Werk des Kommunisten und Antizionisten Otto Heller „Der Untergang des Judentums“ gestohlen hat. Heller behauptete, dass es für Juden nur in der Sowjetunion eine Zukunft geben würde. Das Buch ist bis heute die Bibel der arabischen Feinde Israels; das Palästina-Komitee in Bonn hat 1975 einen Reprint herausgegeben.

Warum habe ich so gehandelt?

Zitate aus den genannten Machwerken will ich mir aus hygienischen Gründen ersparen. Die Vorstellung, dass eine Kirche zwei jüdischen Antisemiten und Feinden Israels eine Tribüne für ihre Hetze bieten würde, empörte mich. Melzer schrieb mir danach einen beleidigenden Brief, in welchem es unter anderem hieß: „Sie haben die Nazi-Ideologie und Nazi-Methoden sehr verinnerlicht.“ Mein Protest hat mir außerdem Beleidigungen in mehreren rechtsradikalen Internetseiten eingebracht.

Warum habe ich so gehandelt? Vierzig lange Jahre war ich stellvertretender Vorsitzender der Budge-Stiftung in Frankfurt, des einzigen und zudem großen jüdisch-christlichen Altenzentrums in Europa. Ich bin auch seit Jahren Kuratoriumsmitglied des „Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“. Seit Jahrzehnten pflege ich die Freundschaft mit vielen Nichtjuden und christlichen Geistlichen. Dies ist ein Stück meines Lebens. Im Protest gegen diese Veranstaltung, die dann abgesagt wurde, ist es mir gelungen, moralischen Schaden von der evangelischen Kirche abzuwenden.

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