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Javier Valdez vor seinem Tod : Zielscheibe von Militär, Polizei und organisiertem Verbrechen

  • -Aktualisiert am

„An dem Tag, an dem jemand im Kartell den Daumen senkt, werden sie mich töten“: Der Journalist Javier Valdez war eine der letzten kritischen Stimmen Mexikos. Bild: AFP

Der Journalist Javier Valdez war eine der letzten kritischen Stimmen Mexikos. Er wurde auf offener Straße erschossen. In einem Interview wenige Monate zuvor sprach Valdez über das Versagen des Staats, die Macht der Kartelle und sein Verhältnis zum Tod.

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          Er war einer der namhaftesten Journalisten Mexikos: Javier Valdez, langjähriger AFP-Korrespondent und Gründer der Wochenzeitung „Ríodoce“, recherchierte im Milieu der Drogenkartelle und berichtete über die Verstrickungen von organisiertem Verbrechen und Politik. Vor einer Woche fiel der fünfzig Jahre alte Reporter in seiner Heimatstadt Culiacán im Nordwesten Mexikos einem Attentat zum Opfer.

          Valdez schrieb aus einem vom Drogenkrieg verheerten Land; immer wieder drehten sich seine Reportagen um den „Narco“, jenen in Mexiko allgegenwärtigen Begriff, der das Geschäft mit den Drogen in allen seinen sozialen Ausprägungen beschreibt. Mit Büchern wie „Levantones“ („Entführungen“) und „Narcoperiodismo“ („Narco-Journalismus“) wurde er auch im Ausland bekannt. Zuletzt recherchierte Valdez über Fehden innerhalb des mächtigen Sinaloa-Kartells, nachdem Kartellboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán im Januar an die amerikanische Justiz überstellt worden war.

          Am vergangenen Montag, um Punkt zwölf Uhr mittags, zerrten Vermummte den Reporter aus seinem Auto und richteten ihn mit dreizehn Schüssen auf offener Straße hin. Es ist der fünfte Mord an einem mexikanischen Journalisten in den vergangenen zwei Monaten. Laut der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ war Mexiko 2016 das gefährlichste Land für Medienschaffende außerhalb von Krisengebieten. Der Journalist hinterließ eine Frau und zwei Töchter. Am Tag nach dem Attentat demonstrierten Journalisten und Aktivisten vor dem Innenministerium in Mexiko City gegen das Versagen des Staats bei der Strafverfolgung der Morde.

          Nur wenige Monate vor seinem Tod empfing uns Javier Valdez in einem Bistro in der sinaloensischen Landeshauptstadt Culiacán zum Gespräch. An jenem Morgen des 28. Februar 2017 hatte „Ríodoce“ die neuesten Ziffern des Drogenkriegs veröffentlicht; allein in den ersten beiden Monaten des Jahres verzeichnete die Provinz Sinaloa 239 Tote. Ein Jahr nach der Festnahme von Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán waren in Culiacán wieder Kämpfe ausgebrochen. Als wir eintrafen, wartete Valdez bereits an einem Ecktisch, ein einnehmender Mann mit Panamahut und Hornbrille, der ein wenig an eine Figur aus einem Detektivroman erinnerte. Bei Kaffee und Obstsalat nahm er sich viel Zeit für das Gespräch und ignorierte die beiden Handys, die ohne Unterbrechung surrten.

          Herr Valdez, auf den Straßen Culiacáns werden in diesen Tagen wieder bewaffnete Kommandos gesichtet, Polizeihubschrauber kreisen im Tiefflug über der Stadt. Steht dem Bundesstaat Sinaloa eine neue Gewaltwelle ins Haus?

          Die Situation könnte in der Tat bald explodieren. Mit der Gruppe um Dámaso López und den Chapitos (Söhne von Kartellboss Chapo Guzmán, Anm. d. Red.) stehen sich zwei mächtige Fraktionen innerhalb des Sinaloa-Kartells gegenüber. Wir haben in den letzten Wochen vermehrt Exekutionen gesehen, zur Zeit scheint der Waffenstillstand zwischen beiden Seiten aber noch zu halten.

          Allein in diesem Monat fielen in Sinaloa 128 Menschen dem Terror der Kartelle zum Opfer. Sieht so ein Waffenstillstand aus?

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