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Flüchtlinge in Jordanien : Die barmherzigen Nachbarn der Samariter

  • -Aktualisiert am

Ein Zuhause von dauerhafter Natur

Aber in Amman erlebt man täglich ein herrlich buntes ideologisches und religiöses Durcheinander: von Kopftuch tragenden Frauen am Steuer der neuen S-Klasse, die dann vor Supermärkten parken, in denen nahezu alle anderen Kundinnen das Haar offen tragen; von Bankern, die sich den Kopf zerbrechen, ob es nicht vielleicht einen schlechten Eindruck machte, Produkte anzubieten, die der Scharia entsprechen; von improvisierten Gebetsräumen in Büros, in denen die meisten Mitarbeiter Christen sind; von muslimischen Angestellten, die ihrer christlichen Chefin gern jeden Gefallen tun und denen es deshalb peinlich ist, ihr beim Tragen von Weinkisten nun wirklich nicht helfen zu können; von muslimischen Honoratioren schließlich, die wiederum alles über Burgunder wissen.

Auch hier freilich ist die Gesellschaft über die letzten dreißig Jahre hinweg deutlich konservativer geworden. Die tendenziell eher liberale Oberschicht ist darüber betrübt, aber der Umgang mit diesen Umständen (an denen westliche Dämonisierungspolitik und -rhetorik nicht unschuldig sind) ist erfrischend tolerant, wofür man als Angehöriger der christlichen Minorität dankbar ist. In Jordanien praktiziert man konsequent Nächstenliebe, die nicht nur den muslimischen Flüchtlingen aus Syrien, sondern auch den christlichen aus dem Nordirak, die es hierhin geschafft haben, ein neues Zuhause bietet – von dem inzwischen allen klar wird, dass es wahrscheinlich dauerhafter Natur sein wird.

Jordanien ächzt unter der Aufgabe

Eine zentrale Rolle kommt dabei dem haschemitischen Königshaus zu, das es trotz der enormen ökonomischen Probleme einerseits und der externen Bedrohungen durch Daesh im Norden und Nordosten Jordaniens andererseits bislang geschafft hat, ein Land zusammenzuhalten, das ohnehin von enormer Diversität geprägt ist und in dem es schon vor der syrischen Krise nicht leicht war, die urjordanischen Stämme erst mit den palästinensischen und später mit den irakischen Flüchtlingen unter einen Hut zu bringen.

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Jetzt ist der Tourismus, traditionell einer der wichtigsten Wirtschaftsbereiche des Landes, dem Zusammenbruch nahe. Als wir Richtung Irak fahren, um die zum Unesco-Weltkulturerbe zählenden Wüstenschlösser zu besuchen, verursachen wir genuine Verblüffung, denn es kommen einfach keine Europäer mehr hierher. Dabei ist die Reise durch Jordanien, das eine ungeheure kulturelle Vielfalt zu bieten hat – von der weltweit größten Agglomeration noch aufrecht stehender römischer Säulen in Jerash über die Wunder von Petra bis hin zu den Naturspektakeln von Wadi Rum und dem Taucherparadies Aqaba –, nicht unsicherer als eine Fahrt mit der Londoner U-Bahn. Das liegt am enorm effektiven Militär, das neuralgische Punkte und die Grenzen kontrolliert (und dem Reisenden gegenüber dort, wo er auf er Soldaten trifft, trotz schwerer Bewaffnung mit einer Freundlichkeit begegnet, die man sich zum Beispiel in den Vereinigten Staaten von Grenzern gerne wünschen würde).

Jordanien ächzt unter der Aufgabe, mit der die Nachbarstaaten das Land konfrontieren, doch die Welt hilft nur ein bisschen. Zusätzliche Entwicklungshilfe hält sich trotz allen Beteuerungen in Grenzen: Die internationalen Transferzahlungen nach Jordanien haben sich infolge der Flüchtlingskrise um rund eine halbe Milliarde Euro erhöht; pro Flüchtling sind das aber gerade mal etwas mehr als dreihundert Euro. Und während mehr Unterstützung dem Land und damit dem Frieden in der Region zumindest kurzfristig helfen würde, scheint es langfristig noch hilfreicher, wenn der christliche Westen anerkennte, dass die Botschaft von Isa ibn Maryam, den wir Jesus nennen, auf dem Globus augenblicklich nirgendwo so konsequent verfolgt wird wie in Jordanien.

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