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Amerika und der Jemen-Krieg : Jetzt, auf einmal?

Glück gehabt, sie leben noch: Die Cousinen Hala Majed Oqbah (r) und Aradah Mohammed Oqbah probieren in einem Rehabilitationszentrum in Sanaa Prothesen an. Bild: dpa

Seit Jahren wird der Jemen mit Waffen aus Amerika, England, Frankreich oder Deutschland verheert. Jetzt wünschen die Vereinigten Staaten ein Ende des Kriegs. Die Gelegenheit ist günstig – der Grund eigennützig.

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          So kurz vor den amerikanischen Kongresswahlen geht es dann doch: das Signal auszusenden, man dringe nun auf ein schleuniges Ende des Jemen-Kriegs. Sowohl Verteidigungsminister James Mattis als auch Außenminister Mike Pompeo fordern Waffenstillstandsgespräche zwischen der saudi-arabischen Militärallianz und den schiitischen Huthi-Rebellen innerhalb von dreißig Tagen. Dazu gehört die bekräftigte Erwartung an die von den Vereinigten Staaten unterstützte Allianz unter Riads Kronprinz, die Luftangriffe auf die bevölkerten Gebiete im Jemen einzustellen. Und was bedeuten diese Luftangriffe seit drei Jahren? Ein Massaker an der Zivilbevölkerung, die Torpedierung von Schulen, Krankenhäusern, Hochzeitsgesellschaften, Kindern.

          Christian Geyer-Hindemith

          Redakteur im Feuilleton.

          Ganz unabhängig von den Erfolgsaussichten des genannten Zusammenraufungssignals: an der Washingtoner Friedensinitiative lässt sich sehen, wie gleichsam über Nacht Moral zu einem Posten der Realpolitik werden kann (wie bei Bedarf sie, die Moral, auch wieder rückabgewickelt, als Realie aus dem politischen Prozess wieder ausgeschieden werden kann) – wenn nur der politische Wille es will, wie herum auch immer. Was drei Jahre lang gegen die Regeln des humanitären Völkerrechts vor sich hin verhungerte, vor sich hin siechte, vor sich hin schrie, soll jetzt auf einmal einen Platz auf der politischen Rettungs-Agenda erhalten.

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