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Amazon will „CO2-neutral“ werden : Jeff Bezos spielt Klimaretter

Versteht sich auf die große Geste: Amazon-Chef Jeff Bezos Bild: EPA

Bis 2040 werde Amazon „CO2-neutral“ sein, kündigt Jeff Bezos an, er wolle vorangehen. Der Weg ist weit: Sein Unternehmen belastet das Klima in vielfacher Hinsicht.

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          Zum Weltklimastreik der Fridays-for-Future-Bewegung springen auch noch die letzten Klimasünder aus der Kiste, um dabei zu sein und sich blütenduftig weiß zu waschen. Wie man von null auf hundert, vom Klimakiller zum Klimaretter, in nur wenigen Sekunden kommt, macht allen anderen der Amazon-Chef Jeff Bezos vor. Sein Unternehmen belastet das Klima in vielfacher Hinsicht. Es zerstört den Einzelhandel weltweit, lässt seine Mitarbeiter wie Sklaven schuften und verstopft die Verkehrswege mit seinen Lieferfahrzeugen. Die transportieren hin und her, was Kunden bestellen und zurückgeben, auf dass die Retouren dann auch noch in größerem Maß vernichtet werden, als dies im Handel bei unverkäuflicher Ware ohnehin der Fall ist.

          Konsum pur, um jeden Preis, verbunden mit Totalüberwachung durch den netten virtuellen Assistenten Alexa, das ist die Devise des Bezos-Imperiums. Dessen Chef führt sich nun so auf, als setze er sich an die Spitze der Klimabewegung. Bis 2040 werde Amazon „CO2-neutral“ sein, sagt Bezos, hunderttausend Elektroautos will er anschaffen und bis zum Jahr 2030 auf die Straße bringen und bis dahin auch die Stromversorgung seiner Umschlagzentren zu hundert Prozent mit erneuerbarer Energie leisten.

          Er wolle vorangehen, sagt Bezos. Wie wir sein Geschäftsgebaren kennen, wird das vor allem bedeuten, dass er all denjenigen, mit deren Waren Amazon handelt, Feuer unterm Hintern macht, damit sich seine Klimabilanz sehen lassen kann. Ob Bezos garantieren kann, dass der Strom, der in seiner Lieferkette steckt, nicht aus Kohle- oder Atomkraftwerken kommt? Schaut man genau hin, ist Bezos mit seiner Ankündigung, Amazon werde grün, manchen Ländern und der UN-Forderung, bis zum Jahr 2050 müsse die Weltwirtschaft klimaneutral organisiert sein, gar nicht so weit voraus.

          Klimaneutral heißt nämlich zum einen, dass man den Ausstoß von Kohlendioxid entweder ganz vermeidet, oder aber, dass man ihn auf andere Weise „kompensiert“, etwa durch hundert Millionen Dollar, die Jeff Bezos in Wiederaufforstungsprojekte investieren will. So elektrisierend ist die Neuigkeit aus dem Hause Bezos also gar nicht. Klingt aber gut. In Sachen Polit-Marketing und Mediengetöse, von dem die Fridays-for-Future-Macher schon eine Menge verstehen, vor allem, wie man kommunikativ den grünen Rasen auslegt, auf dem sich alle bewegen müssen, kann man sich bei ihm noch eine Scheibe abschneiden. Wer jetzt bei Amazon bestellt, soll das mit bestem Gewissen tun, leistet er doch mit jedem Euro, den er ausgibt, einen Beitrag zur Rettung des Weltklimas. Was uns Jeff Bezos da wieder mal verkauft.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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