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Medien und Demokratie : Brief an die deutschen Journalisten

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Die vierte Säule war meinen Gesprächspartnern am wenigsten bewusst. (Wir wissen nicht, wer das Wasser erfunden hat, ein Fisch war es jedenfalls nicht.) Deutsche Journalisten betrachten es als ihre Aufgabe, für die Rechte von Minderheiten einzutreten und zu verhindern, dass Links- oder Rechtsextreme den öffentlichen Raum kapern. Nicht nur in ihrer privaten Meinung, auch in ihrer journalistischen Arbeit verteidigen sie Demokratie und Menschenwürde. Sie treten für das Staatswesen ein, das sich in der Nachkriegszeit herausgebildet hat und in Europa fest verankert ist.

Aufzeichnungen sind (auch) noch immer Handarbeit.
Aufzeichnungen sind (auch) noch immer Handarbeit. : Bild: EPA

Für mich ist das die große Stärke des deutschen Journalismus. Aber er steht zunehmend unter Druck und sieht sich heftigen Kontroversen ausgesetzt. Dazu später mehr.

Die fünfte Säule ist keine deutsche Erfindung, aber meine Interviewpartner haben oft davon gesprochen. In Amerika ist es die Doktrin der „Objektivität“, derzufolge Journalisten keine allzu große Nähe zur Politik pflegen und sich bei der Berichterstattung nicht von ihren politischen Ansichten beeinflussen lassen sollen. In Großbritannien ist es die Pflicht, „unparteiisch“ zu sein – ein Grundprinzip der BBC. Spricht man in Deutschland mit Journalisten über dieses Thema, kommt fast immer die Rede auf Hanns Joachim Friedrichs, den „Tagesthemen“-Moderator, der 1995 in einem Interview mit dem „Spiegel“ sagte, dass man sich nicht mit einer Sache gemeinmachen dürfe, auch nicht mit einer guten Sache.

Maximen des Journalismus

Diejenigen, die diese Maxime des deutschen Journalismus erwähnten, wiesen meist darauf hin, dass dieser Satz von einigen Journalisten falsch verstanden werde. Friedrichs sei es nicht um absolute Objektivität, sondern um etwas ganz Einfaches gegangen: Man solle vermeiden, als Berichterstatter in Betroffenheit zu versinken. Man solle Distanz wahren. Nur so schaffe man es, dass die Zuschauer einem vertrauen. Man dürfe eine Haltung haben, aber man solle cool bleiben und nicht laut werden.

Cool zu bleiben fällt deutschen Journalisten seit dem Aufstieg des Rechtspopulismus nicht sehr leicht. Selbst über die Verwendung des Begriffs Rechtspopulismus wird kontrovers diskutiert. Hier nun die Geschichte dieser Zäsur im deutschen Journalismus, wie sie mir von meinen Quellen berichtet wurde. Das Narrativ, das ich hier wiedergebe, wird natürlich nicht von allen geteilt. Über die groben Konturen herrschte weitgehend Konsens, in der Interpretation war man sich keineswegs einig.

Während der Flüchtlingskrise 2015 engagierte sich die Presse, gemeinsam mit vielen anderen Kräften in Deutschland, für die „Willkommenskultur“. Der Hashtag der „Wir helfen“-Kampagne der „Bild“-Zeitung lautete bekanntlich #refugeeswelcome. Dass Deutschland so viele Flüchtlinge aufnahm, erfüllte die Nation mit Stolz, was sich auch in den Medien niederschlug. Das war nicht verwerflich, sagten meine Gesprächspartner, aber allzu oft hätten Journalisten nicht kritisch gefragt, wie die Flüchtlingspolitik denn funktionieren werde, mit welchen Risiken sie einhergehe, worauf die Entscheidungen der Bundeskanzlerin beruhten – und auch, wie in den Medien darüber berichtet wurde.

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