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Politiker Jair Bolsonaro : Der brasilianische Trump

  • -Aktualisiert am

Steuern sind für wichtigere Dinge als Kultur da: Anhänger des Präsidentschaftskandidaten Jair Bolsonaro bei einer Demonstration in Sao Paulo Bild: Reuters

Dass die größte Demokratie Südamerikas ihre unheilvolle Vergangenheit nicht aufgearbeitet hat, könnte sich jetzt bei der Wahl rächen: Ausgerechnet der gewaltbereiteste Kandidat wird vielleicht Präsident.

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          Am vergangenen Samstag fanden in Brasilien, aber auch in New York, Lissabon, London, Paris und Berlin zahlreiche Frauenmärsche zum Zeichen des Protestes gegen den rechtsradikalen Präsidentschaftskandidaten Jair Bolsonaro statt, der in den Umfragen in Führung liegt. Der Hashtag #elenão („Nicht er“) stieß in den sozialen Netzwerken auf ein großes Echo, internationale Stars wie Cher, Madonna, Stephen Fry, Ellen Page, Dua Lipa und Dan Reynolds schlossen sich ebenso wie zahlreiche prominente Namen in Brasilien der Kampagne an. Schon allein deswegen hätten die Demonstrationen für Schlagzeilen sorgen müssen. Doch davon konnte, zumindest was die Mainstream-Medien betrifft, nicht die Rede sein. Am Sonntag brachten die drei größten Zeitungen des Landes Fotos auf der ersten Seite, aber keine betrachtete das Ereignis als Nachricht des Tages. Ganz anders die internationale Presse, für die #elenão die wichtigste Nachricht aus Brasilien seit Wochen war. Dieser eklatante Widerspruch zwischen politischer Realität und journalistischer Berichterstattung erklärt sich, wenn man den komplizierten Hintergrund der Präsidentenwahl betrachtet.

          Zunächst einmal muss man verstehen, woher der Aufstand gegen Bolsonaro rührt. Dieser Mann ist kein gewöhnlicher Kandidat. Der 63 Jahre alte Bolsonaro, Hauptmann der Reserve, seit sechsundzwanzig Jahren Kongressabgeordneter aus Rio de Janeiro, ist, um es vorsichtig zu sagen, eine umstrittene Figur. Seine Anhänger vergleichen ihn gern mit Donald Trump, seine Gegner mit Hitler. Er hat sich wiederholt als Freund von Folter und Diktatur zu erkennen gegeben und mit schrillen Aussagen für Aufsehen gesorgt – dem Hinweis etwa, dass er im Falle seines Wahlsiegs das Parlament abschaffen werde, dass der ehemalige Präsident Fernando Henrique Cardoso den Tod verdient habe und dass es Augusto Pinochets größter Fehler gewesen sei, nicht noch mehr Menschen beseitigt zu haben.

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