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Sexismus im Fernsehen Italiens : Die Sendung mit der Maus

„Das italienische Fernsehen ist diskriminierend“

„Parliamone sabato“, so sagt Zanardo, habe sie nicht sonderlich überrascht. Seit ihrem Film vor acht Jahren habe sich wenig geändert: „Die Kameraeinstellungen sind zwar nicht mehr ganz so ‚gynäkologisch‘, also: gleich unter den Rock. Trotzdem ist das Fernsehen immer noch voll von plumpen Stereotypen.“ Überrascht habe sie allein der Protest, der danach entstanden sei und immer noch nicht abgeebbt ist. „Ich glaube das lag an der Liste. Da haben die Leute es schwarz auf weiß: Das italienische Fernsehen ist diskriminierend. Man kann sie posten und weiterleiten. Bei Kommentaren oder Kameraeinstellungen ist das schwieriger.“ Letztere sähen, sagt Zanardo, im Allgemeinen so aus: „Wird ein Mann vorgestellt, sieht man sein Gesicht. Wird eine Frau vorgestellt, sieht man erst einmal einen Fuß. Dann wandert die Kamera langsam hoch, bis man ganz zum Schluss das Gesicht sieht. Vielen Leuten fällt das gar nicht auf.“ Deswegen versuchten sie und ihr Team, Jugendlichen an Schulen einen wachsameren Umgang mit Medien zu vermitteln.

Das Fernsehen ist noch immer das Hauptinformationsmedium der Italiener. Gerade deshalb sei es so problematisch, dass selbst die öffentlich-rechtlichen Sender ihren erzieherischen Auftrag nicht wahrnähmen, meint Zanardo. Laut Istat, dem nationalen Institut für Statistik, schauen rund 90 Prozent der jungen Leute (zwischen 15 und 34 Jahren) regelmäßig Fernsehen, die meisten von ihnen jeden Tag. Nicht einmal halb so viele davon lesen einmal die Woche eine Zeitung. Natürlich ist in Italien das Internet eine ebenso wichtige Informationsquelle geworden, doch das schließt das Fernsehen nicht aus. Zanardo, die für ihre Medienaufklärung durch italienische Schulklassen zieht, kann das bestätigen: „Ganz sicher schauen junge Leute noch Fernsehen, nicht nur und vielleicht auch im Internet, aber es spielt noch immer eine erhebliche Rolle. Es ist ja auch kaum zu vermeiden, weil der Fernseher in vielen Familien immer angeschaltet ist. Eine ständige Begleitung des Alltags.“ 98 Prozent der italienischen Haushalte besitzen einen Fernseher, viele davon sogar zwei bis drei Geräte, im Süden sind es drei bis vier – in jedem Zimmer einer.

Dass sich auf diese Weise eine gewisse Abstumpfung gegenüber rückständigen Frauenbildern einstellt, ist wahrscheinlich schwer zu vermeiden. Umso erfreulicher ist nun der, wenngleich späte, öffentliche Protest. Denn ohne diesen, das muss man vermuten, hätte auch die Rai wahrscheinliche keine Konsequenzen gezogen. Vom Privatfernsehen gar nicht zu reden: Am 27. März ging es bei „Striscia la notizia“ um die Rolle der Frau im iranischen Fernsehen. Diskriminierung! Skandal! Der Ausschnitt von Charlize Theron bei der Oscarverleihung wurde einfach wegretuschiert. Zum Glück, verkündet die strahlende Reporterin, gebe es im italienischen Fernsehen keine Zensur. Ja, zum Glück. Ein paar andere Probleme allerdings schon.

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