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Sexismus im Fernsehen Italiens : Die Sendung mit der Maus

Luca Ragazzi, Dokumentarfilmer aus Rom, der mit seinem Partner Gustav Hofer vor allen Dingen für den Film „Italy love it or leave it“ bekannt wurde, erklärt mit diesem „Berlusconismo“ auch die Situation des öffentlich-rechtlichen Fernsehens: In den 80ern und 90ern, als Berlusconis Sendergruppe Mediaset durch ihre vulgären Formate immer mächtiger wurde und die Rai das Gefühl hatte, konkurrenzfähig bleiben zu müssen, sank auch dort das Niveau stetig. So wurden nun auch im staatlichen Fernsehen Fragen wie „Würden Sie ihre Tochter in einem Nacktkalender sehen wollen?“ verhandelt.

Hundert Euro Beiträge im Jahr – dafür?

Nun ist es nicht so, dass diese Fernsehkultur in der Vergangenheit in Italien kommentarlos hingenommen worden wäre. Laura Boldrini, die Präsidentin der italienischen Abgeordnetenkammer, die sich als eine der ersten zu „Parliamone sabato“ äußerte, klagt diese Missstände seit langem an. Als die Regierung Monti 2012 Anna-Maria Tarantola zur Präsidentin des öffentlich-rechtlichen Fernsehens machte, hatte man den Eindruck, dass sie nun endlich etwas ändern würde. Taramtola verbannte den Schönheitswettbewerb „Miss Italia“ aus dem öffentlichen Programm und nahm sich vor, das allgemeine Frauenbild zu ändern. Ragazzi meint, diese Reformen machten sich durchaus bemerkbar: „Bis vor ein paar Jahren sahen auch die Nachrichtensprecherinnen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen so aus, als wären sie gerade auf dem Weg zu einer Silvesterparty. Da sind sie heute schon ein wenig dezenter.“

„Parliamone sabato“ zeigt: da ist noch Luft nach oben. Denn natürlich gibt es auch im deutschen Fernsehen Sendungen, die nicht viel besser sind. Wenn Heidi Klum und ihre männliche Jury über junge Mädchen und ihren Körper urteilen, dann kann man das zurecht kritisieren. Aber, und das ist der große Unterschied, gecastet wird auf Pro7 und nicht in der Ard. Die Rai hingegen ist ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender. Der ganze Protest, der nun um „Parliamone sabato“ entstanden ist, dreht sich auch darum. Hundert Euro Beiträge im Jahr – dafür?

Lorella Zanardo wurde 2009 mit ihrem Dokumentarfilm „Der Körper der Frauen“ bekannt. Diese 25 Minuten, die man sich auch auf Youtube anschauen kann, sind eigentlich nichts anderes als ein kommentierter Zusammenschnitt diverser Szenen aus dem italienischen Fernsehen. Es wird ausgiebig geduscht, getanzt und begutachtet, um die harmloseren Beispiele zu nennen. Sonst wären da noch: Eine leicht bekleidete Frau, die umringt von einer Gruppe giggelnder Männer, beim Schaukeln nach einer Erdbeere schnappen muss. Eine Weitere in knappem Höschen, die am Fleischerhaken zwischen Schweineschenkeln von der Decke baumelt und ein Gütesiegel auf den nackten Hintern gestempelt bekommt.

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