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Populisten und Impfgegner : Italiens Russlandfreunde werden vom Kreml instrumentalisiert

Der italienische Freund: Premierminister Giuseppe Conte zu Besuch beim russischen Präsidenten Wladimir Putin. Bild: AP

Spektakel muss sein: Russlandfreunde in Italien sind oft Populisten, vielfach auch Impfgegner. Die Moskauer Politik durchschauen sie in der Regel nicht, weshalb der Kreml sie mühelos instrumentalisiert.

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          Kürzlich erschien in Deutschland der Roman „Ein Zug voller Hoffnung“ (C. Bertelsmann Verlag) von Viola Ardone. Darin erfährt man viel über das ambivalente Russland-Bild der italienischen Gesellschaft. Erzählt wird ein wenig bekanntes Kapitel der Nachkriegsgeschichte: In den Jahren 1946 bis 1952 organisierte die Kommunistische Partei Italiens in Zusammenarbeit mit dem Frauenverband UDI die Unterbringung von armen Kindern aus Süditalien im reichen Norden des Landes. Eingebettet in Familien, die der Partei nahe standen, überwinterten sie dort und sollten Zukunftschancen erhalten.

          Karen Krüger
          Redakteurin im Feuilleton.

          Die Eltern mussten sich entscheiden: Sollten sie den Gerüchten glauben, die Kommunisten hackten den Kindern die Hände ab und entführten sie nach Sibirien? Oder lieber auf die Wahrhaftigkeit der gesellschaftlichen Solidarität vertrauen, von der die Partei sprach? Die meisten Eltern entschieden sich für Letzteres. Insgesamt 70 000 Kinder wurden verschickt. Wären sie im Süden geblieben, hätten einige den Winter wegen Krankheit und Hunger nicht überlebt.

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