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Ist Ivanka Trump Feministin? : Die Frau als Front

Die Füße schreien jetzt Anti-Ivanka-Parolen

Auf der Bühne ist nicht nur der Trump-Kopf im Einsatz, dort sitzen Angela Merkel, Christine Lagarde, die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland, Königin Maxima und drei Unternehmerinnen. Es ist so interessant wie traurig wie kompliziert, denn es geht um die Gleichberechtigung von Frauen in der Wirtschaft, die es nicht gibt. Dann ist der Startalk zu Ende. Es kommen andere Frauen, andere Gespräche.

Ivanka Trump mit Vater Donald: Eltern wählt man nicht wie amerikanische Präsidenten.

Ivanka Trump besucht das Holocaust-Denkmal, sagt Twitter nach der Konferenz. Gute Idee, denke ich, komme auf eine schlechte und gehe. Die Füße schreien jetzt Anti-Ivanka-Parolen, das Leder ist einfach zu hart, der linke Zeh blutig. Am Mahnmal stehen zwei Mädchen und lachen, wie junge Mädchen so lachen. Warum seid ihr hier? „Wegen Ivanka!“ Warum? „Sie ist wunderschön und macht Karriere und ist feministisch“, sagt die eine mit dunkelgeschminkten und kindlichen Augen. „Weil wir wollen wie sie sein“, sagt ihre Freundin. Dann rennen sie los. Trump läuft jetzt durch das Betonmeer von Peter Eisenman.

Optisch ist alles phantastisch, in der Praxis liegen die Mängel

Feminismus war zuerst Ivanka Trumps Mode-Botschaft, dann wurde er zu Trumps Politik. Derselbe Slogan, mit dem sie ihre Schuhe verkauft, wohnt jetzt in ihrem West-Wing-Büro. Dort arbeitet sie unbezahlt: nicht so feministisch. Ihre Ziele? Staatliche Zuschüsse zur Kinderbetreuung und ein bezahlter Mutterschutz, sagte sie in der Konferenz. Im Wahlkampf sagte sie, eine bezahlbare Gesundheitsfürsorge für Frauen fördern zu wollen. Als der Präsident aber ein Finanzierungsverbot für Abtreibungsorganisationen in Kraft setzt, schweigt seine Tochter. Sie schweigt immer, wenn es unangenehm wird, wenn ihr Vater unangenehm wird. In einem Interview sagte Ivanka Trump, dass das Fehlen einer öffentlichen Anprangerung nicht Schweigen bedeute. Muss man das glauben?

Nein!, sagen am Abend die Ivanka-Bekämpfer vor der Deutschen Bank. Der Protest, der sich um das Aburteilen einer Frau dreht, verdreht einem den Magen. Während die Demonstranten wieder ohne Rhythmus „Ivanka, Ivanka, we don’t really want ya“ skandieren, schreien meine Füße mit ihnen. Nach elf Stunden kann auch ich aburteilen, „Ivanka Trump“ aburteilen: Optisch ist alles phantastisch, die Ausführung perfekt, doch in der Praxis liegen die Mängel. Die „Ivanka-Trump“-Schuhe sind das Symbol der Fassade Ivanka Trumps. Der Slogan WomenWhoWork lügt, gilt nur für bestimmte Frauen, die arbeiten, die nicht durch die Stadt rennen, Bus und Bahn fahren müssen, sondern Taxi.

Im Kopf Taxiträume, Musik auf der Demo. Dann reden die Ivanka-Bekämpfer wieder darüber, dass Ivanka Trump reich sei und ihr Vater das Böse. Doch einen Vater wählt man nicht wie den Präsidenten Amerikas. Es ist so leicht, Ivanka Trump für ihren Vater zu hassen, wie es wahrscheinlich schwer ist, Donald Trump als Vater zu haben.

„Hinter jedem erfolgreichen Mann stand eine erfolgreichere Frau“, sagte die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland auf der Konferenz. Sie lächelte in Richtung Ivanka Trump, beugte ihren Kopf, dann ihren Satz: „Hinter jeder erfolgreichen Frau steht ein unterstützender Vater“, sagte nun Freeland und sagte es falsch. Denn in Wahrheit gehört das korrekte Zitat Sigmund Freud. Er schrieb: „Hinter jeder starken Frau versteckt sich ein tyrannischer Vater.“ Ivanka Trump nickte, ihre Lippen sagten lautlos ein „Yes“.

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