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Ist Ivanka Trump Feministin? : Die Frau als Front

Die Stimmung der Konferenz ist das Gegenteil von steif. Ein Hotel in Charlottenburg. Der Morgen. Die Männer sind beinahe unsichtbar, arbeiten stumm. Sie räumen Geschirr weg, machen die Garderobe. Die meisten Frauen tragen Highheels. Meine machen Probleme. Der Weg zu Tram, Bahn und Bus war schlecht gepflastert, war endlos. Auf der Bühne steht jetzt ein CEO, eine Frau, klar. Basmah Omair spricht über Lobbyarbeit in Saudi-Arabien und über die erste Frau des Propheten. Sie war Unternehmerin, alleinerziehend und die Chefin Mohammeds, er war in ihrer Karawanserei angestellt. „Gute Argumente in Saudi“, sagt strahlend Omair.

Ivanka Trump präsentiert immer die perfekte Balance zwischen Mutterschaft und Macht.

Es kommen mehr Frauen, mehr Argumente. Dann eine Pause. Eine Frau mit Pastellmaniküre blättert durch den Konferenzkatalog. „Das finde ich nicht gut“, sagt sie. Was? Die Maniküre zeigt auf Ivanka Trump. Ein normales Ivanka-Trump-Bild: die Lippen etwas geöffnet, die Haare super geföhnt, die linke Hand umrahmt das Gesicht. „Unseriös“, sagt der Mund, der zu den Pastellnägeln gehört, „so mädchenhaft muss man sich nicht inszenieren.“

Ja, es ist eine traditionelle Art des Frauseins

Wie Frauen sich inszenieren, aussehen sollen, das sagen oft Menschen, die Frauen nicht mögen. Sie stellen Lippenstift-Trägerinnen unter Verdacht, nur Oberfläche zu sein. Noch immer wohnt das Vorurteil Aussehen-bestimmt-die-Tiefe in Köpfen. Sie werden wutrot, wenn es um Ivanka Trump geht, auf Instagram beispielsweise. Trumps Fotos zeigen immerzu die perfekte Balance zwischen Mutterschaft – sie hat drei Kinder – und Macht. Ja, es ist eine traditionelle Art des Frauseins. Darf man Ivanka Trump deshalb das Wort „Feministin“ verbieten? Als ob Frauen, die traditionelle Weiblichkeit leben, nicht selbstbestimmt leben können. Warum will man überhaupt Menschen verbieten, sich selbst als Feministen zu sehen? Feminismus bedeutet vieles, bedeutet aber auch die Idee vom Leben ohne Zuschreibungen. So ein Leben kennt Ivanka Trump nicht, denn alle schreiben ihr alles zu. Selber Schuld, sagen die Ivanka-Bekämpfer, ihr Argument ist oft die Ivanka-Instagram-Welt, die sagt: Ich schaffe alles und sehe dabei umwerfend aus. Die Welten berufstätiger Frauen sehen selten so aus. Deshalb solle Trump gefälligst auch zeigen, dass nicht alles glatt sei und glänzend, fordern die Wütenden. Aber ist glänzend und glatt nicht einfach Instagram-Logik?

Ivanka Trump nickt, nickt Königin Maxima zu. Es ist Mittag, sie sitzt auf dem Podium, die Hände auf den Knien. Die Pastellmanikürte freut sich bestimmt. Ivanka Trumps Stimme ist etwas rauh. Sie erklärt die Probleme der amerikanischen Frauen, spricht über Mutterschutz, und dann passiert es – donaldtrumphaft beschreibt sie ihren Vater, sagt „he has been a tremendous champion of supporting families“. Wie eine Bierdose, die gerade geöffnet wird, zischt jetzt der Saal. Das First-Daughter-Gesicht regt sich nicht. Ivanka Trump ist so, wie sie immer öffentlich ist – souverän, vorbereitet. Auf Nachfrage erzählt sie pseudopersönlich, dass ihr „Vater davon überzeugt ist, dass Frauen das Potential und das Können besitzen, einen Job genauso gut wie Männer zu machen“.

Ivanka Trumps Sätze kollaborieren jetzt doch mit dem Vater. Dieser Widerspruch – liegt er auch im Trump-Feminismus? Ist er Teil ihrer politischen Überzeugung? Kalkül? Oder geht es nur um Familie? Das Business? Das bleibt immer verschwommen. So sehr, dass Ivanka-Berichte selbst in seriösen Zeitungen klingen wie eine „Intouch“: Ein „Vertrauter“ sagte dies, sagte das. „Familiäre Quellen“ behaupten, sie setze sich für den Klimaschutz ein, die anderen sagen, sie denke über das Klima wie der Präsident. Das Raten darüber, was in ihrem Kopf läuft, läuft durch jede Zeitung. Denn Ivanka Trumps Kopf ist anscheinend ein Allgemeingut, über ihn darf jeder verfügen.

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