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Islamkonferenz : Trojanisches Pferd

Ibrahim el-Zayat, der diskrete Mann im Hintergrund des europäischen Islamismus Bild: Rainer Wohlfahrt

Er war ein ungebetener, aber geduldeter Gast auf der Islamkonferenz: Ibrahim el-Zayat, Chef der „ Islamischen Gemeinschaft“, gilt dem Verfassungsschutz als mächtiger islamistischer Strippenzieher. Seine Anwesenheit verstörte die liberale Migrantengesellschaft.

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          Dissidenten wie Necla Kelek erkannten den unerwünschten Gast erst, als sie von Journalisten darauf aufmerksam gemacht wurden: Unter den Gästen, die ein jedes Mitglied des Plenums der deutschen Islamkonferenz mitbringen darf, befand sich auch der Chef der „Islamischen Gemeinschaft“, Ibrahim el-Zayat. Sein Verein gehört zum Dachverband „Zentralrat der Muslime“ und ist eine der ältesten islamistischen Organisationen hierzulande, längst europäisch vernetzt und für Verfassungsschützer der deutsche Zweig der ägyptischen Muslimbruderschaft. El-Zayat bekleidete in diesem Netzwerk zahlreiche Direktoren- und Vorstandsposten und gilt Experten heute als der Manager des Islamismus, der diskrete Mann im Hintergrund, der die Immobilien verwaltet und die Strippen zieht.

          Regina Mönch
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Ibrahim el-Zayat ist ein eloquenter, gebildeter Mann, er hat enormen Einfluss auf islamistische Funktionärszirkel in Deutschland, was ihn auch an den Katzentisch der Islamkonferenz brachte. Deren Organisatoren sind nun zwar konsterniert, wollten jedoch einen Eklat vermeiden. Es sei eine höfliche Geste gegenüber Axel Ayyub Köhler gewesen, seinen Gast zu dulden, sagt Gabriele Hermani, Sprecherin des Innenministeriums. Sabine Christiansen hatte ihn schließlich auch schon in ihre Talkshow geladen. Und die Bundeszentrale für Politische Bildung empfahl ihn eine Zeitlang gar als „Experten für Integrationsfragen“, was lange nur jene empörte, die von den klandestinen Aktionen politischer Islamisten betroffen sind.

          Im Visier des Verfassungsschutzes

          Der Verfassungsschutz jedenfalls hätte ihn nicht empfohlen, aber wer hört auf ihn? Bestenfalls werden seine Warnungen mit staatsanwaltlichen Ermittlungen verwechselt und, weil folgenlos, schließlich ignoriert. 2002 tauchte el-Zayats Name in einem BKA-Dossier auf, weil er verdächtigt wurde, mit Geldwäsche in Millionenhöhe extremistische Organisationen zu unterstützen. Ein Führer der ägyptischen Muslimbruderschaft, die den Gottesstaat anstrebt, für blutige Massaker und Terroranschläge verantwortlich zeichnet und stramm antisemitisch, antizionistisch und antiamerikanisch ist, bezeichnete ihn unlängst als den „Chef der Muslimbrüder in Deutschland“. Wer das allzu deutlich ausspricht oder schreibt, muss mit Gegendarstellungen rechnen - so geschehen kürzlich in der „Welt“.

          Ägyptische Sicherheitsbehörden verdächtigen den deutschen Staatsbürger trotzdem, in die Transaktionen der radikalen Islamisten verwickelt zu sein, und wollen ihm in Abwesenheit den Prozess machen. Das ist anderen Islamisten auch schon passiert, sie wurden in Deutschland als politisch Verfolgte anerkannt. El-Zayat selbst gibt sich als Saubermann, versichert unermüdlich, er sei kein Muslimbruder und verurteile den Terror. Doch immer noch gilt: Nicht jeder Islamist ist ein Terrorist, aber fast jeder Terrorist ist ein Islamist. Axel Ayyub Köhler, Sprecher des umstrittenen, weil ebenfalls mit Islamisten eng verbandelten „Koordinierungsrates der Muslime“ (F.A.Z. vom 2. Mai), mag el-Zayat besonders, denn der habe ihm schon oft geholfen. Wobei, bleibt im Dunkeln.

          Ein Schatten auf Schäubles Projekt

          Der ungebetene, aber auch nicht vor die Tür komplimentierte Gast el-Zayat ist nicht der erste Schatten, der auf Innenminister Wolfgang Schäubles kühnes Projekt fällt. Die Aufwertung der vier Vereine des sogenannten Koordinierungsrates hat die liberale Migrantengesellschaft bereits tief verstört. Positiv ist an dieser Sache nur eines: Zum ersten Mal lernt auch die Öffentlichkeit zu unterscheiden, wer für welche Ideen steht, wird das nur scheinbar homogene Bild der „Muslime in Deutschland“ transparenter. Im Gegensatz zu Köhler oder Christiansen würde sich aber Frau Kelek nie wissentlich in eine Gesprächsrunde mit el-Zayat begeben. Sie bedauert, dass Medien und politische Stiftungen Vertretern des politischen Islam immer wieder ein Forum bieten und sie auf diese Weise salonfähig machen.

          Vor fast einem Jahrzehnt erschien im „Islamischen Jugend-Magazin“ ein Aufruf der Muslimischen Jugend, unterzeichnet von Ibrahim el-Zayat. Darin ruft er dazu auf, „an der Neugestaltung dieser Gesellschaft mitzuwirken“, um sie der islamischen Umma zur Verfügung zu stellen.

          Umarmung statt Enttarnung

          Vor fast einem Jahrzehnt also, als el-Zayat noch offen sagte, was er denkt und wünscht, interessierte sich hierzulande kaum jemand für den politischen Islam, wurden Warnungen davor als Hysterie und Fremdenfeindlichkeit gegeißelt. Viel weiter sind wir immer noch nicht. Islamwissenschaftler wie Ralph Ghadban müssen ihre gründlichen Studien zu Parallelgesellschaften und der Ideologie des Islamismus selbst finanzieren, die sogenannte, finanziell üppig ausgestattete Migrationsforschung aber verteidigt immer noch den „positiven Ansatz“ und setzt auf Umarmung statt auf Enttarnung.

          Wenn die Islamkonferenz nicht auf das Niveau einer unverfänglichen Sonntagstalkrunde sinken soll, wäre es höchste Zeit, klare Fragen zu stellen und deutliche Grenzen zu ziehen. Zum Beispiel nach Ibrahim el-Zayat und seinen Hintermännern.

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