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Islamisten und die NPD : Etwas mehr Kopftuch auch für deutsche Mädel

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Anschließend studierte er als Verbindungsstudent Germanistik, Geschichte und Politologie und gehörte zu den Stammautoren der Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Er publizierte auch sonst in einschlägigen Organen wie „Criticon“ sowie „Nation und Europa“. Die von Helmut Kellershohn herausgegebene Studie über die „Junge Freiheit“, „Das Plagiat“, wies Molaus Texten schon zu dieser Zeit eine deutliche Nähe zur völkischen Ideologie und zum Nationalsozialismus nach. 1996 verschwand sein Name zunächst aus der Öffentlichkeit, Molau unterrichtete Geschichte und Deutsch an einer Waldorfschule. Nach dem Einzug der NPD in den Dresdner Landtag wurde er „bildungspolitischer Berater“ der sächsischen Fraktion. Neben seinen Tätigkeiten für die NPD ist er Vorsitzender der rechtsextremen „Gesellschaft für freie Publizistik“.

Männliche Kontrollphantasien verbinden

Für Theoretiker wie Molau gibt es eine Reihe von Verständigungsmöglichkeiten mit dem Islamismus. Das beginnt mit der grundsätzlichen Begrüßung autoritärer Gesellschaftskonzeptionen. Die dem deutschen „Volksgeist“ entsprechenden Kulturformen korrespondieren nach seinem Verständnis mit jenen einer streng reglementierten islamischen Identität. Daher kann Molau in deren Vorschriften Wesensverwandtes entdecken, wenn er gegenüber „Muslim-Markt“ zuspitzt: „Etwas mehr Kopftuch, als Frage einer züchtigen Kleiderordnung, stünde manch deutschem Mädel schon gut zu Gesicht.“ Neben Herders „Volksgeistern“ erweisen sich männliche Kontrollphantasien eben als ausgesprochen kulturverbindend.

Anschlussfähig sind auch wirtschaftspolitische Vorstellungen. In ihrer praktischen Arbeit versucht die NPD, sich als Mittelstandspartei zu profilieren. Dabei propagiert sie einen nationalen Kapitalismus gegen globalen Warenverkehr und Finanzmärkte oder im NS-Jargon: „schaffendes“, nicht „raffendes“ Kapital. So trifft man sich in einer Front reaktionärer Sozialkritik, denn ausgehend vom religiösen Zinsverbot, verbreitet auch die islamistische Propaganda das Bild einer spezifisch islamischen Wertschöpfung, deren Dynamik traditionelle Eigentumsformen und kulturelle Identitäten nicht antaste. Die klassische antisemitische Identifikation des Kapitals mit „den Juden“ gehört in der Agitation beider Lager zur Routine.

Antiaufklärerische Haltung

Die Vereinigten Staaten stehen im Weltbild beider für ein Gegen-Prinzip an sich, das Molau im Gespräch mit dem „Muslim-Markt“ den „alle Kultur zerstörenden Amerikanismus“ nennt. Mit dem politischen Islam verbindet ihn zudem die antiaufklärerische Haltung. Der Gleichheitsgedanke gilt beiden als Symptom des Kulturzerfalls, die NPD stellt dem die „deutsche Freiheit“ entgegen. Propagiert wird der Gedanke einer „nichtwestlichen“ Moderne, der bereits im Kaiserreich an der Wiege des modernen Rechtsextremismus stand. All das vermag für Strategen wie Molau die Sympathien für islamistische Ziele und Methoden zu wecken.

Zentrales Element ist die Feindschaft gegen Israel. Als zeitgemäße Variante des klassischen Antisemitismus führt sie ins Herz nationalsozialistischer Ideologie. Die historische Komponente des angestrebten Schulterschlusses ist gewollt, denn mit Kadern wie Molau schärft die NPD ihr nationalsozialistisches Profil. In diesem Kontext ist besonders Molaus Deutung des NS-Ideologen Alfred Rosenberg zu beachten, über den er seine Examensarbeit als Geschichtslehrer schrieb. Ernst Pipers jüngst erschienene Gesamtdarstellung zu Rosenberg sprach ihr zwar jede wissenschaftliche Relevanz ab, doch bietet sie einen Schlüssel zum Verständnis des angestrebten Dialogs mit islamistischen Kräften. Denn Rosenbergs Hass war nicht nur ein allgemein antisemitischer. Er hatte auch eine spezifische Ausprägung gegenüber der Gründung eines jüdischen Staates. Zur Umsetzung seiner Vorstellung einer Welt ohne „Rom und Jerusalem“ widmete er dem jüdischen Streben nach einer Heimstätte besondere Aufmerksamkeit.

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