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Islam-Kritik : Satanische Tirade

Innenminister Sarkozy (r.) beim Besuch einer Moschee Bild: AFP

Einer der wichtigen zeitgenössischen Philosophen steht unter Polizeischutz: Der Franzose Robert Redeker hat in einem Zeitungsbeitrag den Islam kritisiert. Seitdem ist er seines Lebens nicht mehr sicher.

          Es begann mit Todesdrohungen auf dem Anrufbeantworter. Dann kamen die ersten Briefe. Sie enthielten Fotos und Lagepläne - von seiner Wohnung, von der Schule in der Banlieue von Toulouse, wo Robert Redeker Philosophie unterrichtet. Redeker gehört seit Jahren zu den Herausgebern der von Jean-Paul Sartre begründeten Zeitschrift „Les Temps modernes“. Er hat viele Bücher geschrieben und publiziert regelmäßig Kommentare in den großen Zeitungen. In „Libération“ hat er oft über den modernen Sport, seine Helden und das Doping nachgedacht. Aufsätze von ihm erschienen in „Le Monde“.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

          Im „Figaro“ veröffentlichte er am 19. September einen Beitrag über die Reaktionen auf die Rede des Papsts in Regensburg: „Wie soll die freie Welt auf die islamistischen Einschüchterungen reagieren?“ Schon mit den ersten Zeilen machte Redeker deutlich, daß er den Protest gegen Benedikts Ausführungen keineswegs für ein harmloses Mißverständnis hält, das man auf eine oberflächliche Lektüre zurückführen könne: „Die Reaktionen sind Teil des Versuchs, das Wertvollste, was der Westen hat, zu ersticken und was es in keinem islamischem Land gibt: Die Gedanken- und die Meinungsfreiheit.“

          Nützliche Idioten

          „Der Islam will Europa seine Regeln aufdrängen“, konstatiert Redeker und zählt einen Katalog von Maßnahmen auf, die seinen Befund illustrieren: Die Schwimmbäder werden zeitweise nur für Frauen geöffnet, man darf keine Karikaturen mehr zeichnen, in den Kantinen der Schulen nimmt man auf islamische Eßgewohnheiten Rücksicht, religionskritische Meinungsäußerungen werden als „islamfeindlich“ - „islamophob“ - abgekanzelt. „Die gleichen Kreise, die dagegen protestierten, den Platz vor der Kathedrale Notre-Dame in Paris nach dem verstorbenen Papst Johannes-Paul zu benennen, sagen rein gar nichts, wenn Moscheen gebaut werden.“ Wie einst der Kommunismus habe heute der Islam im Westen seine „nützlichen Idioten“.

          Auch zu einem polemischen Vergleich der Religionen holte Redeker aus. Das Christentum verkündet die Liebe - der Islam predigt Haß. Die blutige Vergangenheit der katholischen Kirche, die ihre Kreuzzüge führte und im Namen des Dogmas Philosophen zum Tode verurteilte, wird nicht übergangen. Mohammed war ein Plünderer und polygam, ein unerbittlicher Kriegsführer, der Juden massakrierte. Im Islam und seinen Opferritualen stecke weiterhin eine „archaische Gewalt“.

          Aus dem Verkehr gezogen

          In Tunesien durfte der „Figaro“ mit Redekers Tirade nicht verkauft werden. In Toulouse nahm die Polizei die Todesdrohungen so ernst, daß sie den Philosophen umgehend aus dem Verkehr zog: er kann nicht unterrichten und muß jede Nacht an einem anderen Ort schlafen. Mit seiner Schule und seinem Stellvertreter steht er in telefonischem Kontakt, auch der „Figaro“ war informiert.

          Während die Öffentlichkeit noch gar nicht wußte, daß einer der wichtigen zeitgenössischen Philosophen unter Polizeischutz steht, machte ein anderer Fall Schlagzeilen: in Lyon, wo anfangs September die Eröffnung eines islamischen Gymnasiums verhindert wurde, soll Hani Ramadan vom Oktober an auf Einladung der „Jungen Muslime“ regelmäßige Seminare durchführen. Der Leiter des Islamischen Zentrums in Genf ist der Bruder von Tariq Ramadan, dem die Vereinigten Staaten die Einreise verweigern. Ein gleiches Verbot hatte Frankreich gegen Hani Ramadan ausgesprochen, 2001 wurde es aufgehoben. Seither hat Hani Ramadan immer wieder für Aufsehen gesorgt. In einem Aufsatz in „Le Monde“ rechtfertigte er 2002 das Steinigen der Ehebrecherinnen. Er wurde deswegen in Genf aus dem Schuldienst entlassen. In Lyon will eine Bürgerrechtsinitiative Ramadans Auftritte verhindern. In ihr sind mehrere ehemalige Ministerinnen und prominente Schriftsteller vertreten. Sie fordern von Innenminister Sarkozy ein Einreiseverbot für den islamischen Intellektuellen und Prediger.

          Es war die extreme Rechte, die den Fall Redeker am Donnerstag an die Öffentlichkeit brachte und Sarkozy auch wegen seines Schweigens angriff. An diesem Tag nahm der Innenminister gerade an einer französisch-muslimische Begegnung - aus Anlaß des Fastenmonats Ramadan - in der Pariser Moschee teil. Gestern hat endlich Premierminister Villepin gegen die Todesdrohungen protestiert. Der Erzierhungsinister Gille de Robien hingegen mahnte an, daß Redeker als Beamter einer gewissen Zurückhaltung verpflichtet sei. Robert Redeker, der nicht weiß, wie lange er sich verstecken muß, konnte sich in einem Rundfunkinterview äußern. Angst habe er gehabt, wütend sei er. Er schilderte seine „miese Lage“. Sein tägliches Versteck müsse er jeweils selber finden. Von seinem Artikel nimmt er kein Wort zurück: „Wir leben unter der ideologischen Überwachung durch den Islam.“

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