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Irans neuer Präsident : Schlächter und Schneeflocke

  • -Aktualisiert am

Am 18. Juni in Teheran: Ebrahim Raissi winkt den Medien zu, nachdem er seine Stimme in einem Wahllokal abgegeben hat. Die Wahl gewann er. Bild: AP

Nächste Woche tritt Ebrahim Raissi sein Amt als iranischer Präsident an. Mit ihm zerbricht der Mythos vom reformfähigen Regime. Weiß der Westen, mit wem er es zu tun bekommt? Ein Gastbeitrag.

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          Kurz nach der Wahl von Ebrahim Raissi zum iranischen Staatspräsidenten schrieb mir ein in Teheran lebender Cousin eine Mail, in der er den neuen Potentaten als „snowflake number one“ bezeichnete. Nun scheint Raissi, der von Menschenrechtsorganisationen für die Hinrichtung von Tausenden Menschen verantwortlich gemacht wird, von nichts weiter entfernt als von den leicht kränkbaren Mimosen, die im Westen der Generation Schneeflocke zugeordnet werden. Er teilt mit ihnen jedoch einen ausgeprägten Narzissmus, der auf eine sonderbare Rücksichtnahme trifft.

          So hatte die Landespolizeidirektion der Stadt Wien ebenfalls im Juni Mahnwachen iranischer Oppositioneller in Hörweite der iranischen Delegation bei den Wiener Atomverhandlungen mit der Begründung verboten, sie würden die Verhandler „psychisch belasten“. Die „Belastungen“ will man einem Regime ersparen, das, wie mein Cousin anmerkte, im November 2019 1500 Demonstranten ermordet habe und für den Abschuss eines ukrainischen Passagierflugzeugs im Januar 2020 verantwortlich zeichne, aber bei den Behörden in Wien interveniere, um seine zart besaiteten Vertreter davor zu schützen, an diese und andere Verbrechen erinnert zu werden.

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