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Irak-Krieg : Bagdad-Jane: Jane Fonda demonstriert wieder

  • -Aktualisiert am

„Schweigen ist keine Option mehr”: Aktivistin Jane Fonda Bild: REUTERS

Als „Hanoi-Jane“ war Jane Fonda verspottet worden, als sie 1972 nach Vietnam fuhr. Lange hat die Schauspielerin daher gezögert, gegen den Irak-Krieg zu demonstrieren. Nun hat sie ihr Schweigen beendet.

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          Selbst Amerikas Linke hat sich lange zurückgehalten, Irak und Vietnam in einem Atemzug unterzubringen. Vor allem den Fehler, Soldaten an der Front für Entscheidungen verantwortlich zu machen, die in Washington getroffen wurden, will niemand wiederholen. Wie die Parole zum Protestmarsch gehört das patriotische Bekenntnis zu den Streitkräften darum in jede Protestrede. Das Vietnam-Tabu allerdings ist längst gebrochen.

          Den endgültigen Beweis, dass alle Hürden vor einst unstatthaften Vergleichen gefallen sind, lieferte die Washingtoner Großdemonstration vom Wochenende. Prominenz aus Hollywood war mit den üblichen Verdächtigen dabei, von Sean Penn und Danny Glover bis zum politisch dauerengagierten Glamourpaar des Filmgewerbes, den Eheleuten Susan Sarandon und Tim Robbins. Aber die Sensation hieß Jane Fonda. Ihr Auftritt markierte den Wendepunkt im einst verbotenen Parallelenziehen.

          „Rachedurstige Regierung“

          Fonda hatte sich bisher an der Debatte über den Irak-Krieg nur zögernd beteiligt. Eine geplante Bustour mit Vietnam-Veteranen sagte sie letztes Jahr ab. Sie fürchtete, Proteste gegen den Irak-Krieg zu untergraben, wenn sie mit ihrem Antikriegseinsatz den Schmähungen, die sie sich 1972 mit ihrem Besuch in Hanoi eingehandelt hatte, neue Nahrung gäbe. Jetzt braucht Hanoi-Jane nicht länger zu fürchten, als Bagdad-Jane ins Kreuzfeuer der allgemeinen Kritik zu geraten und alte Ressentiments wiederzubeleben. „Schweigen ist keine Option mehr“, rief sie den Demonstranten und wohl auch sich selbst zu. Während sie Parallelen zu Vietnam, zu präsidialer Hybris und Blindheit gegenüber dem konkreten Lauf der Dinge zog, achtete sie doch darauf, in ihrem Protest gegen eine „bösartige, rachedurstige Regierung“ immer Schulter an Schulter mit Veteranen, Soldaten im Irak und ihren Familien zu stehen.

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          Unter diesem Blickwinkel könnte die Kluft zwischen damals und heute nicht größer sein. Fonda, inzwischen als Christin wiedergeboren, wird den verbliebenen Kriegsbefürwortern gleichwohl als Angriffsziel nicht unwillkommen sein, aber viel mehr als ein Randspektakel wird dabei nicht herauskommen. Denn im politischen Parallelisieren hat bereits die zweite Phase begonnen, also die Reprise der landeseigenen Version der Dolchstoßlegende, nach der erst Proteste und Waschlappigkeit in der Heimat den am Ende gewiss glorreichen Sieg in der Fremde vereitelt hätten. Als Drohung wird das Szenario bereits in der aktuellen Debatte getestet, und sollte es tatsächlich zum Rückzug der Truppen kommen, müssten Vietnam und der Irak im amerikanischen Bewusstsein zwangsläufig noch näher zusammenrücken. Für Bagdad-Jane könnte es dann doch noch eine skandalumwitterte Karriere geben.

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