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Trump-Berater Peter Thiel : Sie nennen ihn den „Schattenpräsidenten“

  • -Aktualisiert am

Verstehen sich: Donald Trump und Peter Thiel (Mitte). Bild: AP

Der Silicon-Valley-Investor Peter Thiel wirkt im Hintergrund als Berater von Donald Trump. Welche Rolle er genau spielt, ist unklar. Sicher ist: Der Präsident und sein Helfer vertreten dieselben radikalen Ansichten.

          Zu den wenigen Beratern, denen der amerikanische Präsident Donald Trump nach der Degradierung seines Chefstrategen Steve Bannon sein Ohr schenkt, gehört der Unternehmer Peter Thiel. Der deutschstämmige Investor, der unter anderem Paypal und Palantir gründete, hat in den vergangenen Monaten zunehmend an Einfluss in der Trump-Administration gewonnen. Thiel, der im Wahlkampf zu Trumps Team stieß, saß im Dezember beim Tech-Gipfel im Trump Tower, an dem unter anderen die Facebook-Managerin Sheryl Sandberg, der Amazon-Chef Jeff Bezos und der Google-Gründer Larry Page teilnahmen, neben dem Präsidenten am Verhandlungstisch. So als wäre er schon Trumps Einflüsterer.

          „Nachdem der Wahltag vorbei war, wurde Peter Thiel zu einer treibenden Kraft im Übergangsteam“, sagte ein Wahlhelfer dem Magazin „Politico“. Laut einem Bericht von „Buzzfeed“ war Thiel als Mitglied von Trumps Übergangsteams – ohne die Ethikrichtlinien unterschrieben zu haben – mit der Besetzung der Kartellbehörde FTC betraut. Mit dem Milliardär, der Monopolen das Wort redet und erklärte, Wettbewerb sei für Verlierer, wurde der Bock zum Gärtner gemacht. Thiel, der auch in Facebook investiert hat, könnte an einer laxen Regulierung der Kartellbehörde gelegen sein. Wie weit sein Einfluss reicht und ob er aktiv an der politischen Planung teilhat, ist unklar, doch im Presidio in San Francisco, wo Thiels Investmentfirmen ihren Sitz haben, nennen ihn die Angestellten schon den „Schattenpräsidenten“.

          Machte sich schon im Wahlkampf für Trump stark: Peter Thiel.

          Thiel ist eine äußerst kontroverse Figur im Silicon Valley. So finanziert der Entrepreneur, der sich Fremdblut injiziert hat und kürzlich die neuseeländische Staatsbürgerschaft erwarb, das Seasteading Institute, das auf dem Ozean schwimmende Inselstaaten gründen will, und bezahlt mit seiner Stiftung junge Leute dafür, dass sie nicht auf die Universität gehen. Nachdem ihn das Online-Magazin „Gawker“ 2007 als schwul geoutet hatte, finanzierte Thiel (in einer anderen Sache) den Prozess des Wrestlers Hulk Hogan, der das Klatschblog in die Insolvenz trieb.

          Thiel und Trump haben eines gemeinsam: Sie führen einen Kreuzzug gegen die politische Korrektheit, die angeblich Denkverbote statuiert, sie vertreten das Modell eines superschlanken Staates, und sie eint die Vorstellung eines technokratischen Durchregierens unter Umgehung etablierter Institutionen. Die Frage, wofür Trump steht, lässt sich auch damit beantworten, welche politischen Positionen Thiel vertritt.

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          2011 veröffentlichte Thiel auf dem Debattenportal „Cato Unbound“ einen Aufsatz, der mit dem Titel „The Education of a Libertarian“ überschrieben war, was so viel heißt wie „Bekenntnisse eines Libertären“. Darin schreibt er, dass Demokratie und Freiheit nicht mehr länger miteinander vereinbar seien und wir uns in „einem tödlichen Wettrennen zwischen Politik und Technologie“ befänden. „Im Gegensatz zur Welt der Politik ist die Wahl(freiheit) der Individuen in der Welt der Technologie noch immer von höchster Bedeutung.“ Die vornehmste Aufgabe der Libertären bestehe deshalb darin, einen „Ausstieg aus der Politik in allen Formen zu finden“.

          Was nach hehrem Ideal klingt, ist bei Lichte betrachtet nichts anderes als ein Freibrief für Steuerflucht und Verantwortungslosigkeit. Auch der konstruierte Antagonismus zwischen Politik und Technologie, der suggeriert, im Internet herrsche die große Freiheit, trägt zur Verkennung der Lage bei. Die Kommunikationsströme im Netz sind vermachtet, und die großen Player Google, Amazon, Facebook und Apple bestellen das Feld, sie schränken genau jene Wahlfreiheit ein, die Thiel beschwört. Er redet letztlich der Demontage der Demokratie das Wort, die Trump auf seine Weise bearbeitet: Für Gewaltenteilung hat er nichts übrig, die Presse betrachtet er als Feind, er spricht per Twitter zu seiner Gefolgschaft. In Peter Thiel hat er offenbar einen Geistesverwandten gefunden.

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