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Investigativer Journalismus : Rechercheur im Fadenkreuz

Der Journalist Jovo Martinović. Bild: privat

In Montenegro wird ein Journalist angeklagt, in Rauschgifthandel verwickelt zu sein. Er ist für seine investigative Arbeit bekannt. Soll er zum Schweigen gebracht werden?

          Wenn in Europa und den umliegenden Dörfern von verhafteten Journalisten die Rede ist, geht es meist um die Türkei, wo das gewählte Regime von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kritische Stimmen durch Verhaftungen, Entlassungen und Drohungen en masse zum Verstummen bringt. Doch auch in anderen Ländern, die EU-Beitrittskandidaten sind, ist die Lage von Journalisten, die der jeweiligen Regierung nicht nach dem Munde reden oder schreiben, oft nicht nur finanziell prekär. Ein Beispiel ist Montenegro. Seit Jahren kommt es in dem weniger als 700 000 Einwohner zählenden Balkanstaat an der Adria immer wieder zu juristisch nie aufgeklärten „Vorfällen“, bei denen regierungskritische Journalisten verprügelt oder bedroht werden. An diesem Donnerstag beginnt in Montenegro nun ein Prozess, über den Menschenrechtsaktivisten und die montenegrinische Opposition sagen, es gehe in ihm trotz einiger ungeklärter Fragen im Kern einzig darum, einen der führenden investigativen Journalisten des Landes auszuschalten.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Der heute 42 Jahre alte Jovo Martinović wurde im Oktober 2015 im Zuge von mehreren gemeinsamen Razzien der montenegrinischen und kroatischen Polizei unter dem Verdacht festgenommen, einer internationalen Rauschgiftschmugglerbande anzugehören. Im April erhob die montenegrinische Sonderstaatsanwältin für organisierte Kriminalität Anklage gegen gut ein Dutzend mutmaßliche Mitglieder der Bande, darunter auch gegen Martinović. Der Journalist bestreitet nicht, mit einigen der anderen Angeklagten, die zum Teil auf eine beachtliche kriminelle Karriere zurückblicken können, in Kontakt gewesen zu sein. Er verweist aber auf seine investigativen Recherchen im Auftrag internationaler Medien, die solche Verbindungen unumgänglich machten.

          Journalismus als Schutzschild

          Tatsächlich hat Martinović in den vergangenen fast zwei Dekaden für zahlreiche renommierte Medien recherchiert oder mit deren Korrespondenten kooperiert. Wer, wie in den Jahren 2002 und 2003 auch der Autor dieser Zeilen, mit ihm gearbeitet hat, weiß: Martinović recherchiert skrupulös und blickt dabei auch stets selbstkritisch auf seine Arbeit. Das haben nach Martinovićs Verhaftung viele Reporter bestätigt, die ihn aus persönlicher Zusammenarbeit kannten, so vom „Economist“, von „Newsweek Europe“, dem „Daily Telegraph“ und anderen Häusern. Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung arbeitete Martinović gerade für die französische Nachrichtenagentur und Produktionsfirma „Capa“ an einer Recherche über den Weg, den Waffen vom Balkan bis zu ihrem Einsatz bei islamistischen Terroranschlägen in Westeuropa nehmen. Das Ergebnis dieser Arbeit, der Film „La route de la Kalachnikov“, wurde im Januar vom französischen Sender Canal+ ausgestrahlt. Da saß Martinović schon seit mehreren Monaten im Gefängnis.

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