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Interview zur Finanzkrise : Ist der amerikanische Traum noch zu retten?

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„Unsere Gesellschaft ist auf Konsum und Kredit eingestellt”: Peter G. Peterson Bild: AP

„Das sind die außergewöhnlichsten Ereignisse, die ich je gesehen habe“, sagt Peter G. Peterson über die aktuelle Finanzkrise. Der Mitbegründer der Blackstone Group, einer der angriffslustigsten Private-Equity-Firmen der Welt, kritisiert im Interview das fiskalisch zügellose und verantwortungslose Amerika.

          „Das sind die außergewöhnlichsten Ereignisse, die ich je gesehen habe.“ So beschreibt Peter G. Peterson die jüngsten Debakel im internationalen Finanzgeschäft. Peterson hat viel gesehen: Der Sohn griechischer Einwanderer, 1926 im Bundesstaat Nebraska geboren, unterbrach seine glanzvolle Karriere in der Geschäftswelt für zwei Jahre im Regierungsdienst. Unter Richard Nixon leitete er das Handelsministerium. Als Mitbegründer der Blackstone Group, einer der angriffslustigsten Private-Equity-Firmen der Welt, häufte er ein riesiges Vermögen an, das jetzt weitgehend dem Gemeinwohl zugutekommen soll. Über die nächsten Jahre wird er mehr als eine Milliarde Dollar in eine soeben gegründete Stiftung einbringen, um Amerika auf den Weg der ökonomischen Tugend zurückzuführen.

          Mr. Peterson, Sie sind Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender, ja „Senior Chairman“ der Blackstone Group, gleichzeitig aber auch Gründer und Vorstandsvorsitzender Ihrer eigenen Stiftung, der Peter G. Peterson Foundation. Welcher von diesen beiden Jobs ist Ihnen derzeit wichtiger?

          Peterson: Wie wir angekündigt haben, als wir an die Börse gingen, werde ich all meine Verpflichtungen bei Blackstone spätestens am 31. Dezember 2008 aufgeben. Jetzt schon habe ich mich aus dem täglichen Betrieb zurückgezogen und beschränke mich aufs Beraten oder bin für Partner da, wenn sie nach mir fragen oder Hilfe brauchen. Meine Hauptaufgabe ist nun die Stiftung.

          Mit der versuchen Sie nichts weniger, als den „amerikanischen Traum“ zu retten.

          Das Thema der Stiftung ist in unserem Logo, das die Freiheitsstatue zeigt, verkörpert und in allem, wofür sie steht, den amerikanischen Traum inbegriffen. Als Motto haben wir uns ausgedacht: „Unser Amerika. Unsere Zukunft.“ Wir haben unseren Blick ganz auf die Zukunft gerichtet, um die es nicht gut steht, wenn wir nicht endlich etwas tun. Ich glaube, es hat für Amerika noch nie so viele langfristige Herausforderungen gegeben wie heute. Achtundsiebzig Millionen Babyboomer sind dabei, schnellstens in den Ruhestand zu gehen, und wir können ihre Rente nur finanzieren, wenn es Vergütungsreformen gibt und sich darin die gegenwärtigen wirtschaftlichen Realitäten und die längere Lebenserwartung spiegeln. Handelsdefizit, Auslandskredite, Gesundheitskosten und Energieverbrauch sind außer Kontrolle geraten, die Ausbildungsresultate unserer Schulen genügen nicht mehr globalen Ansprüchen. Diese Probleme sind, wie ich derzeit beobachte, unbestreitbar, unhaltbar und dennoch politisch weitgehend unberührbar.

          Soll die Stiftung Lösungen aufzeigen, die sonst niemand vorzuschlagen wagt?

          Wir sind anders als die meisten Denkfabriken. Es gibt viele vernünftige Lösungsvorschläge und Reformpläne für die genannten Langzeitprobleme, aber wenig oder nichts wird tatsächlich zu ihrer Lösung in Angriff genommen. Für Politiker ist es einfach zu gefährlich. Denn Amerika hat sich in eine fiskalisch zügellose, verantwortungslose, kurzsichtige, nur Ansprüche stellende Gesellschaft verwandelt. Wir wollen alles, wir wollen es jetzt gleich, wir wollen auf nichts verzichten, und wir wollen für nichts etwas bezahlen. Gemeinsam Opfer zu bringen, einst ein Hauptthema des amerikanischen Lebens, wird jetzt nicht nur als politisch inkorrekt angesehen, sondern als politisch tödlich.

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