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Marcel Reif im Gespräch : „Das ist eine WM und kein Song Contest“

  • -Aktualisiert am

Ist das sinnvoll?

Das ist von Vorteil für alle Ligen. Es hat keinen Sinn, eine Meisterschaft auszuspielen, die der ruhmreiche FC Bayern in dieser Saison schon im April mit 24 Punkten Vorsprung gewonnen hat. Dann folgen noch acht Spieltage, an denen die Bayern-Spieler mit den Kindern grillen könnten oder shoppen gehen und zwischendurch fragen: Wann braucht ihr uns wieder? Dann kommen wir und schicken den Zweitplazierten mit sechs zu null heim. Das hat mit Fußball nix mehr zu tun. Die Schere ist so weit auseinander, dass ein echter Wettbewerb nicht mehr stattfindet. Manchester und Bayern werden künftig mit der zweiten Mannschaft im Ligabetrieb spielen. Die erste tritt in Seattle, Sydney, Singapur und Schanghai an. Wie beim Football in Amerika. Das werden vierzehn, fünfzehn Klubs sein. Dazu kann gerne Borussia Dortmund gehören, wenn sie jemanden finden, der sie auf dieses Level bringt. Der FC Basel – wenn die Pharmakonzerne mitmachen – könnte dann auch Real Madrid schlagen. Und man könnte es spannend machen durch einen Mechanismus wie das amerikanische Draft-System. Damit bekämen wir eine Liga, von deren Spielen man vorher noch nicht weiß, wie sie ausgehen. Wer wird denn wohl deutscher Meister im nächsten Jahr?

Der FC Bayern, klar.

Sie werden eine horrend schwierige Saison haben und nur mit fünfzehn Punkten Vorsprung Meister.

Aber jeder Sieg über die Bayern wird umso heftiger gefeiert.

Es ist allen anderen Vereinen in der Bundesliga gelungen, aus ihren Erfolgen nichts zu machen. Den Bayern ist es gelungen aus Erfolg Erfolg zu machen. Der FC Bayern hat es richtig gut gemacht. Dann kam die Champions League – Segen und Fluch. Weil man da Geld verdienen kann. Die Rechnung der Bayern für die neue Saison dürfte lauten: Hundert Millionen Euro sind für uns in der Champions League drin. Die hat der Fünftplazierte der Bundesliga natürlich nicht.

Aber solche Verhältnisse haben mit der „Seele des Fußballs“ nichts mehr zu tun.

Wie gesagt, ich bin Fußball-Romantiker. Ich finde es skandalös, dass die Bayern so weit weg sind und kein echter Wettbewerb mehr stattfindet. Dass die Liga, die Meisterschaft zu einer Witznummer verkommt. Aber das ist kein deutsches, das ist ein strukturelles Problem, das mit der Champions League zusammenhängt. Dieselbe Entwicklung wie bei uns sehen Sie in Italien. Oder mit Paris Saint-Germain in der französischen Liga. Spanien? Atletico Madrid ist eine Herausforderung für Real Madrid und Barcelona, aber der Verein blutet aus. Bleiben also nur Barcelona und Real.

Droht der komplette Umbau der Zuschauerstrukturen?

Vollständig. Der Fußball schafft sich gerade seine neuen Zuschauer. So wie meine Frau. Die möchte von diesem Sport unterhalten werden. Am Abend darauf geht sie ins Theater oder in die Oper. Wir werden zu Verhältnissen kommen wie in den Vereinigten Staaten, was die Preise für Tickets angeht – für Entertainment vom Feinsten. Dieser Paradigmenwechsel vollzieht sich gerade. In Hannover haben die Fans in dieser Saison ihrer Mannschaft im Stadion aus Protest gegen die Vereinspolitik den Rücken zugekehrt. Die Fans wollen zeigen: Ohne uns geht es nicht. Die Sache ist aber: Wenn die einen Zuschauer wegbleiben, kommen andere, die sich über die Plätze im Stadion freuen.

Und was bleibt Ihnen vom Fußball?

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