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Interview : „Das Zitat trifft nur auf eine Minderheit der Muslime zu“

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Folgenschwere Worte: Benedikt während seiner Rede in Regensburg Bild: dpa

Eine byzantinische Quellenedition in französischer Sprache, die 1966 erschienen ist, sorgt für Aufregung in aller Welt: Der emeritierte Theologe Adel-Théodore Khoury, aus dessen Buch der Papst zitierte, im Interview.

          Eine byzantinische Quellenedition in französischer Sprache, die 1966 erschienen ist, sorgt für Aufregung in aller Welt: Der emeritierte Theologe Adel-Théodore Khoury, aus dessen Buch der Papst in seiner umstrittenen Regensburger Rede zitierte, im Interview.

          Professor Khoury, was hatten Sie vorgestern für einen Tag?

          Den ganzen Tag riefen die Medien an. Das Fernsehen war da. So etwas habe ich noch nie erlebt.

          Konnten Sie denn damit rechnen, daß Ihr Buch einen derartigen Wirbel verursachen würde?

          Eine byzantinische Quellenedition in französischer Sprache, die 1966 erschienen ist? Ich bitte Sie.

          Können Sie uns noch etwas zum Kontext des Zitats sagen?

          Der Kaiser und der persische Gelehrte trafen sich außerhalb von Konstantinopel, in einem muslimischen Militärlager. Dort haben die in gelöster Atmosphäre und höchst polemisch über die Religion des anderen diskutiert, es gab von beiden seiten kritische Formulierungen an die andere Seite, keiner hat den anderen geschont. Der Papst hat das Zitat aber gar nicht benutzt, um etwas über den Islam zu sagen. Das war ja gar nicht sein Thema. Er brauchte es nur, um zu seinem nächsten Gedanken überzuleiten. Etwas später kommt ja der entscheidende Satz: Nicht vernunftgemäß handeln ist dem Wesen Gottes zuwider. Es ging ihm um die Frage des göttlichen Voluntarismus. Das ist übrigens auch in der islamischen Theologie eine große Diskussion.

          Sie sind auch Islamwissenschaftler. Finden Sie denn in dem Zitat den Islam korrekt charakterisiert?

          Noch mal: Darum ging es dem Papst in dieser Vorlesung gar nicht. Sonst hätte man dazu noch einiges anmerken müssen, denn das Zitat gibt den Gedanken des Korans nicht exakt wieder: Es geht nicht um Bekehrung durch das Schwert, sondern um Unterwerfung von Herrschaftsgebieten durch das Schwert bei gleichzeitiger religiöser Duldung zumindest der Schriftreligionen. Wenn es dem Papst um den Islam gegangen wäre, hätte er noch auf ganz andere Strömungen hinweisen müssen, die auch die Vernunftgemäßheit des göttlichen Handelns betonen. Im übrigen finden Sie ja auch im Koran Passagen, in denen auf Argumente und rechtes Handeln zur Bekehrung Wert gelegt wird.

          Wie erklären Sie sich die große Aufregung in der muslimischen Welt?

          Ich sehe das eben vor dem Hintergrund der großen Spannungen gegenwärtig. Alle sind so empfindlich, es kommt zu Mißverständnissen. Viele vermissen vom Papst einige Worte der Differenzierung, der Einordnung, ein: Ich, Benedikt XVI., sehe den Islam aber nicht so.

          Hätten Sie denn dem Papst zu einem solchen Kommentar geraten?

          Ich glaube schon. Er hätte präzisieren können, daß er damit nur eine radikale Minderheit unter den Muslimen, die gewaltbereiten Islamisten, meint. So hat es die türkische „Hürriyet“ verstanden, und ich glaube, zu Recht: Das Zitat des Kaisers Manuel trifft heute nur auf eine Minderheit der Muslime zu.

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