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Internet-Aufklärer „Wikileaks“ : Diese Dokumente bergen Sprengstoff

Die Erde leckt: „Wikileaks” Bild: Wikileaks

Eine Million geheime Papiere findet man auf der umstrittenen Internetseite „Wikileaks“, die die dunklen Mächte der Welt erzittern lassen möchte. Besonders viele handeln von einer Schweizer Bank, von Geldwäsche und einem Bankier, dessen Familie verfolgt wird.

          Zu Beginn des vergangenen Jahres startete eine Website, vor der die dunklen Mächte der Welt erzittern sollten. Sie könne, glauben ihre Macher, der mächtigste Nachrichtendienst der Welt werden; im Dienst „der Völker dieser Erde“. Ziel sei es nicht nur, die Zensur despotischer Regierungen in China, Afrika, Russland und dem Nahen Osten zu unterlaufen. Es gehe auch darum, in westlichen Staaten Ansprechpartner all jener zu sein, die „unethisches Benehmen“ in Regierungen und Unternehmen enthüllen wollten. Was Institutionen verbergen, mache Wikileaks, so der Name der Website, der Welt zugänglich.

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

          Die basisdemokratische Emphase des Portals ähnelt dem Selbstverständnis des Internetlexikons Wikipedia, an das sich Wikileaks rhetorisch anlehnt, mit dem es jedoch außer der Verwendung der Wiki-Software nichts zu tun hat. Die Methode von Wikileaks ist es, die politischen Sprengstoff birgt: Die mehr als 1,1 Millionen Dokumente, die das Portal listet, enthalten vertrauliche und geheime Papiere. Es finden sich Dokumente über amerikanische Militäroperationen, britische Pläne zur Einführung einer Identity Card; auch ein Schreiben des bayerischen Justizministeriums über den „Bayerntrojaner“, mit dem man verschlüsselte Internettelefonate überwachen will, ist einzusehen. Vor allem aber geht es auf Wikileaks um vertrauliche Dokumente, die Geldwäsche und Steuerhinterziehung in Milliardenhöhe belegen sollen. Die meisten tragen das Kürzel BJB - die Initialen des Schweizer Bankhauses Julius Bär.

          Die Sperrung war zwecklos

          Und dieses Bankhaus bewirkte, dass Wikileaks erstmals in seiner Geschichte gesperrt wurde. Am 18. Februar verfügte ein Richter in Kalifornien, dass die amerikanische Registrierungsstelle Dynadot die Seite sperren musste. Allerdings hob der Richter die Verfügung jetzt wieder auf - weil sie zwecklos war. Wikileaks war über Ausweichportale in anderen Ländern immer erreichbar.

          Das Bankhaus Julius Bär wehrt sich gegen die Veröffentlichung von Dokumenten, die von angeblicher Steuerhinterziehung und Geldwäsche auf den Cayman-Inseln handeln. Die Dokumente entfalten ein düsteres Panorama: Sie listen geheime Finanztransfers auf, Verhörprotokolle, Anwaltsbriefe, Gerichtsurteile. Es geht um Beträge von bis zu zweihundert Millionen Dollar, Namen werden genannt, teils sogar mit Anschrift.

          Wer die Dokumente der Website zugespielt hat, ist offen, genauso wie die Frage, ob sie echt sind. „Es gibt Dokumente die echt sind, und welche, die nicht echt sind. Das ist sozusagen ein Mix“, sagt der Pressesprecher von Julius Bär, Martin Somogyi, wobei die echten Papiere so ausgewählt seien, dass sie die Bank gezielt in ein schlechtes Licht rückten.

          Zum Lügendetektortest gezwungen

          Grob gesagt, handelt es sich um zwei Arten von Dokumenten. Die einen berichten von Transaktionen auf den Cayman-Inseln, die anderen von der Auseinandersetzung der Bank mit ihrem ehemaligen Mitarbeiter Rudolf Elmer, den sie des Geheimnisverrats verdächtigt. Elmer bestreitet mit Nachdruck, für die Veröffentlichung verantwortlich zu sein. Er habe Dokumente nur zum Schutz seiner Familie deponiert.

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