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Intellektuellen-Protest in Israel : Boykottaufruf für Kulturhaus in besetztem Gebiet

  • -Aktualisiert am

Die Eröffnung des Kulturzentrums in Ariel erregt großen Widerstand bei Israels Intellektuellen Bild: AFP

Eine Theatereröffnung in der Siedlerstadt Ariel im Westjordanland sorgt für Aufregung: Israels Intellektuelle rufen die Künstler auf, dort nicht zu spielen. Sollten sie dem Appell folgen, droht Ministerpräsident Netanjahu ihnen mit Sanktionen.

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          Trotz heftiger Proteste israelischer Intellektueller ist jetzt das Kulturhaus der Siedlerstadt Ariel mit einer Theateraufführung eröffnet worden. Prominente Theaterleute, Schriftsteller und Künstler hatten die Entscheidung der führenden Bühnen im Land kritisiert, Gastauftritte in der Siedlerstadt Ariel zu geben. Eine Gruppe von Schauspielern, Dramatikern und Dramaturgen hatte erklärt, sich nicht an Produktionen in der auf besetztem Gebiet im Westjordanland gelegenen Stadt zu beteiligen.

          Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Kulturministerin Limor Livnat drohten daraufhin mit Sanktionen, sollten sich die Schauspieler weigern, in Ariel aufzutreten. Die Reaktion der Politiker löste bei rechtsorientierten Kreisen eine Welle der Sympathie für das umstrittene Kulturhaus aus, dessen Leitung sich bei den protestierenden Künstlern zynisch bedankte: Der Medienwirbel habe der Einrichtung eine Menge Werbekosten erspart und zahlreiche Abonnenten eingebracht.

          Proteste als „antidemokratisch“ erklärt

          Vor der Einweihung des Hauses erneuerten Intellektuelle, darunter David Grossman und Jehoshua Sobol, ihren Protest, der diesmal noch schärfer ausfiel. Sie appellierten an alle israelischen Schauspieler, sich nicht für Auftritte in den besetzten Gebieten einspannen zu lassen. Ariel sei auf illegalem Weg mit dem Ziel errichtet worden, die Palästinenser an der Gründung eines eigenen Staates zu hindern. So würden auch jegliche Friedenschancen vertan. Nur wenige Kilometer von der wirtschaftlich blühenden Siedlerstadt entfernt, so die Protestierenden, lebten Palästinenser in Flüchtlingslagern in unwürdigen Verhältnissen.

          Fließendes Wasser sei dort Luxus, Kulturveranstaltungen seien ein Fremdwort. Das Ensemble des Stadttheaters Beer Sheva, das diesen Aufruf ignorierte, gab in Ariel zur Eröffnung vor vollem Haus das Musical „Piaf“, das sich dem Leben der französischen Chansonsängerin Edith Piaf widmet. Dass die erste Theatervorstellung aus Beer Sheva, der „biblischen Stadt Abrahams“, und nicht aus der „Philisterstadt Tel Aviv“ komme, freute Ron Nachman, den Bürgermeister von Ariel, besonders. Die anwesende Kulturministerin Livnat warf den protestierenden Künstlern „antidemokratisches und unzivilisiertes Verhalten“ vor. Einen Boykott werde man niemals tolerieren.

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