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Rapper Haftbefehl im Interview : Ihr seid nicht mein Vater!

  • Aktualisiert am

Im Januar ist das dritte Album des Rappers Haftbefehl erschienen. Außerdem kocht er gerne Bild: Julia Zimmermann

Der Rapper, der sich „Haftbefehl“ nennt und aus Offenbach stammt, spricht im Interview über Schutzgeld, Drogen und die Frage, wann Integration gelingen kann.

          Sie haben mal gesagt: „Ich hab’ meine eigene Sprache erfunden. Kanakisch. Das war auf jeden Fall sehr viel Arbeit.“ Erzählen Sie von der Arbeit!

          Es sind verschiedene Sprachen aus verschiedenen Ländern und Straßenslang. Das habe ich in einen Topf geschmissen und daraus eine Sprache gemacht. Kanakisch. Hafti Abi Babi, zum Beispiel. Heißt: Hafti, der große Bruder. Und statt Baby, sage ich Babi. Straßenstyle International, verstehen Sie?

          Mögen Sie die deutsche Sprache?

          Ja, die ist cool. Aber als Rapsprache hört sich das zu abgehackt an. Langweilig. Es gibt ja Rapper, die betonen wie Deutschlehrer. So: „Ich stei-g-ee in das Au-toooo“. Deswegen betone ich anders.

          Welche Sprachen sprechen Sie noch?

          Türkisch und Englisch.

          Wie wäre es, auf Türkisch zu rappen?

          Vielleicht ist Türkisch ein bisschen gedichtmäßiger. Aber gerappt hört sich das gar nicht gut an. Meine Mutter hat mir auch schon gesagt, ich solle auf Türkisch rappen. Zur Seite mit dir, habe ich da gesagt. Auf keinen Fall. Der deutsche Markt für Rap ist viel größer als der türkische, deswegen würde ich niemals auf Türkisch rappen.

          Mögen Sie Gedichte?

          Ich kenne keine deutschen. Nur ein paar türkische, die kann ich aber nicht auswendig.

          Eigentlich wollten Sie mal studieren. Was?

          Egal. Irgendwas. Hauptsache, mein Vater wäre stolz gewesen. Er hätte sich gewünscht, dass ich Oberhauptkommissar von Frankfurt werde.

          Was hat Ihr Vater gemacht?

          Der war Zocker. Er hat ein Café in Frankfurt gehabt.

          Vor einigen Monaten erschien ein großer Artikel über Ihre Heimatstadt Offenbach in der „Süddeutschen Zeitung“, in welchem die gelungene Integrationsarbeit der Stadt gelobt wurde.

          Wie bitte? Kommen Sie nach Offenbach! Da stehen 70 Bulgaren an der Straßenecke und gucken, wie sie an Geld kommen. Es ist ekelhaft da, jeder zweite Laden ist ein Dönerladen oder ein Wettbüro. Ist das Integration? Spielotheken? Kanaken - ich darf das sagen -, Kanaken sitzen drin, Kanaken sitzen draußen, nehmen Drogen, sind besoffen, gehen nach Hause, weil sie kein Geld mehr für Drogen haben, hauen ihrer Frau in die Fresse - ist das Integration? Frauen werden ekelhaft angemacht. Ich kann Sie gerne mal einladen, dann gehen wir einen Döner essen, und Sie gucken mal eine halbe Stunde lang auf die Straße. Das ist nicht schön.

          Sie mögen die Stadt nicht?

          Für mich ist es kein Problem. Aber ich würde da niemals meine Kinder großziehen.

          Wo würden Sie hingehen?

          Nach München. Mein Kind würde in die Schule gehen, und ich würde auf seine Bildung achten.

          Sie haben die Schule abgebrochen.

          Mein Vater ist gestorben, als ich vierzehn war. Das hat meinen Kopf gefickt. Und den meiner Familie. Und das war der Grund, aus dem ich die Schule abgebrochen habe und irgendwann kein Polizist mehr werden wollte. Mein Vater ist ja nicht an irgendeiner Krankheit gestorben. Er hat sich das Leben genommen. Da konnte ich nicht mehr. Es war ja alles kaputt. Die Mutter, die Familie.

          Warum war Ihr Vater unglücklich?

          Er hatte Depressionen. Zu viel Nachtleben. Nachts Zocken, drei Tage nicht nach Hause kommen, Alkohol, bestimmt auch Drogen. So halt. Deswegen bin ich auf der Straße gewesen und habe getan, was ich tun musste, aus meiner Sicht. Drogen vertickt, die Fickt-euch-alle-Sicht. Ich weiß, dass das nicht richtig ist, und sage das auch den Kindern, auf der Straße.

          Hatte Ihre Mutter Autorität?

          Nein. Ich habe gelacht, wenn sie mich geschlagen hat. Sie hat bei mir, als ich 15 Jahre alt war, 6000 Mark gefunden und 400 Gramm Hasch, ein Jahr nachdem mein Vater gestorben war. Damals ist alles zusammengefallen. Aber für mich ist irgendwann eine Tür aufgegangen, die Rap-Tür. Daran habe ich mich so mit 21 festgehalten und irgendwie nicht mehr losgelassen. Ich habe in der Türkei angefangen zu schreiben und nicht aufgehört. Ich weiß nicht, ob das Glück war, oder viel Arbeit, oder Talent. Ich will aber jetzt auch nicht jedem Kind raten, dass es Musik machen soll. Das wird ja nicht funktionieren.

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