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Laudatio auf Necla Kelek : Ein freier Kopf braucht kein Schamtuch

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Diese in Granit gemeißelten „Heldinnen der Revolution“ hatten den Schah mit der Kalaschnikow unter dem Tschador verjagt oder waren aus dem Exil zurückgekehrt. Sie alle waren aufgeklärte und hochgebildete Menschen. Und sie alle antworteten auf unsere Fragen: Ja, wir wollen den Gottesstaat! Ja, wir werden die Scharia einführen! Das ist schließlich Allahs Wille. Ja, selbstverständlich steht dann Tod durch Steinigung auf Homosexualität oder Ehebruch der Frau. Und dabei lächelten sie liebenswürdig.

Der weltweite Siegeszug der Gotteskrieger

Nein, die Islamisten haben nie einen Hehl aus ihren Absichten gemacht. So wenig wie einst die Nationalsozialisten. Auch in „Mein Kampf“ stand ja schon alles drin. Auch wir Deutschen hätten es schon früh wissen können, ja müssen. Und die Frauen sind bei beiden nicht zufällig die ersten im Visier. Schließlich geht es bei Islamisten wie Nationalsozialisten auch – wenn nicht gar vor allem – um die Rekonstruktion von Männlichkeit. In Zeiten der ins Wanken geratenen Geschlechter-Hierarchie soll so die „natürliche“ oder „gottgegebene Verschiedenheit“ – sprich Ungleichheit – von Männern und Frauen wieder hergestellt werden. Gleichzeitig nehmen beide, Islamisten wie Faschisten, die „Juden“ aufs Korn, diese ewig „Anderen“. Sodann folgen alle, die es noch immer wagen, frei zu denken und zu leben.

Nach der iranischen Revolution folgte in den achtziger Jahren der weltweite Siegeszug der Gotteskrieger. Schon 1996 führten die dort herrschenden Islamisten in Tschetschenien die Scharia ein. Und bereits 1992 verjagten die Taliban in Afghanistan mit Unterstützung Amerikas – und Deutschlands! – die sowjetischen Besatzer und übernahmen erstmals die Macht. Die aus Afghanistan zurückkehrenden Söldner zettelten in den neunziger Jahren in Algerien einen „heiligen“ Bürgerkrieg an. Und in Schwarzafrika greift der von den Gotteskriegern gezündelte Flächenbrand immer mehr um sich.

Und Europa? Da haben wir es zugelassen, dass Musliminnen als Bürgerinnen zweiter Klasse behandelt werden. Denn das ist eben eine „andere Kultur“ und „steht schließlich im Koran“. So argumentieren nicht nur schlechtgewissige Deutsche, deren suspekte „Fremdenliebe“ ein halbes Jahrhundert nach der Nazizeit nur die andere Seite der Medaille Fremdenhass ist. So argumentieren auch weite Teile der intellektuellen Elite, für die die kulturelle Differenz über universellen Menschenrechten steht. Und Teile der Linken, die nach dem Verlust ihrer alten Götter auf der Suche nach Ersatz sind: statt Mao und Che Guevara jetzt Mohammed.

Ein erfolgreicher Marsch durch die Institutionen

Der konvertierte deutsche Ex-Botschafter Murad Hofmann, schon zu Amtszeiten ein bekennender Islamist und Gründer des „Zentralrats der Muslime“, erklärte in den achtziger Jahren, die meisten Neu-Muslime seien Grüne und Linke. Seither haben diese Konvertiten und Konvertitinnen sich auf den Marsch durch die Institutionen gemacht. Und das mit Erfolg. Vor allem im Bildungs-, aber auch im Justizwesen. Und das alles im Namen der Differenz. „Die Kulturfalle“ nennen das aufgeklärte Musliminnen, die gleiche Rechte und Chancen für alle fordern.

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