https://www.faz.net/-gsf-13fi4

Kulturpreisstreit : Christliche Preisträger doch für Kermani

  • Aktualisiert am

Ökumenische Einigkeit: Kardinal Karl Lehmann (Mittelgang links) und der damalige evangelische Kirchenpräsident Peter Steinacker im Dezember 2006 in der Marktkirche Wiesbaden Bild: picture-alliance/ dpa

Im Frühjahr hatten sich die Kardinal Lehmann und der frühere Kirchenpräsident Steinacker, die den Hessischen Kulturpreis erhalten sollten, von ihrem Mitpreisträger Navid Kermani distanziert. Jetzt traf man sich zu einem klärenden Gespräch.

          1 Min.

          Der Streit unter den Preisträgern des Hessischen Kulturpreises 2009 ist beigelegt. Der muslimische Schriftsteller Navid Kermani soll die Auszeichnung für Verdienste um den Dialog der Religionen - nach dem Willen seiner Mitpreisträger - nun doch bekommen.

          Die vier Religions-Vertreter trafen sich am Freitagabend im Mainzer Bischofshaus zu einer vertraulichen Aussprache und verabschiedeten anschließend eine gemeinsame Erklärung. Darin vertreten Karl Kardinal Lehmann, der frühere Darmstädter Kirchenpräsident Peter Steinacker und Salomon Korn vom Zentralrat der Juden in Deutschland „die Ansicht, dass Dr. Navid Kermani mit dem Hessischen Kulturpreis mitausgezeichnet werden soll“

          Vor rund drei Monaten war dem muslimischen Schriftsteller die Ehrung auf Druck der beiden christlichen Preisträger aberkannt worden. Der mit 45.000 Euro dotierte Preis wird von einem Kuratorium unter Vorsitz des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) vergeben. Ob Kermani den Preis nun tatsächlich auch erhält, war zunächst nicht klar.

          Sachlich, offen und respektvoll

          Lehmann und Steinacker hatten sich geweigert, die Auszeichnung mit Kermani gemeinsam anzunehmen. Anlass war ein Zeitungsartikel des Orientalisten über eine Darstellung von Jesus am Kreuz, in dem sich der Muslim in einer Bildbetrachtung über das christliche Symbol des Kreuzes äußerte (siehe auch: Navid Kermani: Wie mir der Preis aberkannt wurde). Die Aberkennung des Preises an Kermani war bundesweit auf massive Kritik gestoßen. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hatte von einer „Staatsposse“ gesprochen. Die Landtagsopposition erhob Vorwürfe gegen Koch. Die Rücknahme der Auszeichnung für Kermani sei für Muslime in Deutschland ein Signal der Ausgrenzung und Ungleichbehandlung.

          In der Erklärung vom Freitag heißt es: „Im Verlauf der über zwei Stunden sich erstreckenden Diskussion wurden ohne eine weitere Beteiligung anderer Personen alle Aspekte der Kontroverse diskutiert. Es herrschte eine sachliche, offene und respektvolle Atmosphäre.“

          Das Kuratorium hatte nach dem Protest Lehmanns und Steinackers zunächst entschieden, den Preis nur an Lehmann, Steinacker und Korn „unter Verzicht auf Herrn Kermani zu verleihen“. Später wurde die Verleihung auf den Herbst verschoben, um den Preisträgern zuvor Gelegenheit zu einem klärenden internen Gespräch zu geben.

          Weitere Themen

          Von Schranken und Wänden

          Ostkreuz sieht Europa : Von Schranken und Wänden

          Drang nach Abschottung und Sehnsucht nach Gemeinschaft: Eine Berliner Ausstellung des Fotografenkollektivs Ostkreuz zeigt Europa als widersprüchlichen Kontinent.

          Topmeldungen

          Trump beim Spatenstich mit Foxconn-Vertretern

          Foxconn-Fabrik in Wisconsin : Trump und sein „achtes Weltwunder“

          Amerikas Präsident inszeniert sich gerne als Retter der Industrie. Ein einstiges Vorzeigeprojekt mit Foxconn im Rostgürtel droht nun aber zu scheitern. Auf Trumps Wirtschaftspolitik wirft das ein wenig schmeichelhaftes Licht.
          Passanten mit Mund- und Nasenschutz in Berlins Tauentzienstraße

          Auf Cluster schauen : Zeit für einen Strategiewechsel gegen Corona?

          Viele Gesundheitsämter sind immer noch darauf konzentriert, Einzelkontakte nachzuverfolgen. Die Verbandschefin der Ärzte im Öffentlichen Dienst will einen anderen Weg gehen und Infektionscluster in den Blick nehmen.
          Wieder kein Sieg: Kölns Dimitris Limnios kann es nicht fassen.

          1:1 in Stuttgart : Kölner Sieglos-Serie hält

          Der 1. FC Köln gewinnt schon wieder nicht. Beim starken Aufsteiger VfB Stuttgart zeigt das Team von Trainer Markus Gisdol aber immerhin Moral. Nach einem Blitztor der Gastgeber hilft ein Elfmeterpfiff.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.