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Integration : Gewaltbereitschaft als Kultur

  • -Aktualisiert am
Türkische Muslime beim Abendgebet während des Ramadan in Berlin
          5 Min.

          Im Februar dieses Jahres, nach einem Gespräch über die Islamkonferenz mit dem Innenminister Thomas de Maizière, traf ich im Foyer des Ministeriums Christian Pfeiffer, den Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN). Er sagte, wir müssten unbedingt miteinander reden, später. „Das wird Sie interessieren“, meinte er noch und klopfte auf seine Aktentasche. Aber Christian Pfeiffer rief nicht an.

          Und erst jetzt, da die Fußball-WM, die Präsidentschaftsdebatte und die Sparpläne der Regierung alle Aufmerksamkeit zu absorbieren scheinen, wird der brisante Inhalt der Pfeifferschen Aktentasche öffentlich. Liest man diesen gemeinsamen Forschungsbericht des Innenministeriums und des KFN über „Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt“, ist unschwer zu erkennen, warum. Die Eröffnung der zweiten Islamkonferenz im Mai wäre wohl, hätten alle Teilnehmer die Ergebnisse gekannt, nicht so moderat über die Bühne gegangen.

          Religiöses Männlichkeitsgetue grenzt aus

          In den Jahren 2007 und 2008 wurden für diese Studie 44610 Jugendliche, im Durchschnitt fünfzehn Jahre alt, zu ihrem Weltbild, zur Religion und zu ihrem Verhältnis zu Gewalt und Erfahrungen damit befragt. Mit dieser komplexen repräsentativen Befragung von deutschen Jugendlichen und solchen mit unterschiedlichem Migrationshintergrund, mit christlicher, orthodoxer, muslimischer oder keiner religiösen Orientierung wurde der Integrationserfolg auf vierfache Weise ermittelt. Es ging neben der sprachlichen Integration auch um Bildungsziele, die angestrebt werden, und darum, ob die Befragten Freunde außerhalb der eigenen Community haben, inwieweit sie sich als „deutsch“ empfinden – sich also mit der Gesellschaft, in der sie leben, identifizieren.

          Dass junge Migranten ohne oder mit christlicher Konfessionszugehörigkeit deutlich besser integriert sind als muslimische Jugendliche, ist einer der wichtigen Befunde. „Je höher die religiöse Bindung (von jungen Muslimen) ausgeprägt ist, umso niedriger ist der Stand der Integration“, heißt es da. Während etwa 43 Prozent der türkischen Jugendlichen ohne religiöse Bindung – eine Minderheit in der Minderheit – mit Deutschen befreundet sind, hat nur jeder fünfte muslimische Jugendliche deutsche Freunde. Hier, so wird von den Forschern vorsichtig vermutet, könnte der Einfluss der Eltern bestimmend sein, der Kontakte mit den „ungläubigen“ Deutschen verhindert. Dazu wäre anzumerken, dass sich fast siebzig Prozent der türkischen Jugendlichen als religiös oder sehr religiös bezeichnen, während sich zum Beispiel in Ostdeutschland von hundert Jugendlichen nur vier bis fünf als „religiös“ und noch weniger als „sehr religiös“ offenbarten. In Westdeutschland liegt dieser Wert bei etwa fünfundzwanzig Prozent.

          Muslimische Kinder sind häufiger Opfer elterlicher Gewalt

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