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Gespräch mit dem Karikaturisten Kurt Westergaard : Wer erfindet einen „Islam light“?

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Kurt Westergaard Bild: AP

Am Mittwoch abend erhielt der dänische Karikaturist Kurt Westergaard in Potsdam den M100-Medienpreis. Sein Hotelzimmer war der am besten bewachte Ort Brandenburgs. Sogar auf dem Bett saß ein Leibwächter. Doch Westergaard bleibt ruhig, witzig und tapfer.

          Der Attentatsversuch auf Ihr Leben im Dezember 2009 hat weltweit Schlagzeilen gemacht. Damals drang ein somalischer Asylbewerber mit Axt und Messer in Ihr Haus ein, in der Absicht, Sie zu töten. Wie haben Sie das verkraftet?

          Kurt Westergaard: Das hat mich nicht traumatisiert. Meine Grundstimmung war immer Wut. Dass man mich so bedroht hat, macht mich wütend. Ich bin kein gewalttätiger Mann, aber Wut ist eine gute mentale Abwehrhaltung. Ich habe mit dieser Zeichnung ja nur meine Arbeit als Satiriker und Karikaturist getan.

          Wie geht es Ihnen heute?

          Es geht ganz gut, glaube ich.

          Ist Frau Merkel die erste europäische Regierungschefin, die Sie empfängt?

          Der dänische Ministerpräsident hatte sich auch gemeldet, damals.

          Also nur die beiden?

          Ja.

          Abgesehen von den Regierungen, fühlen Sie sich alleingelassen, oder sind Sie mit der Unterstützung zufrieden?

          Die Solidarität mit mir war sehr zufriedenstellend. Die meisten meiner Landsleute haben mich beschützt oder mir Mut und Lob zugesprochen. Die einzige Ausnahme ist leider meine eigene Klasse. Man könnte sie die Intellektuellen und Kreativen nennen. Die sind skeptisch geblieben und haben meine Zeichnung als willkürliche Provokation des Islam verstanden. Ich wünsche keinen Konflikt mit unseren muslimischen Mitbürgern, aber wenn es nun schon mal zu einem solchen Konflikt kommt, dann müssen wir unsere demokratischen Werte verteidigen, allen voran die Meinungsfreiheit.

          Können Sie sich an den Tag erinnern, an dem Sie das Blatt gezeichnet haben?

          Ja, es war, wie man auf Englisch sagt, „just another day at the office“. Ein ganz normaler Arbeitstag. Ich habe Tausende von satirischen Zeichnungen angefertigt, diese war nichts Besonderes. Nie im Leben habe ich mir solche Konsequenzen vorgestellt. Diese Zeichnung wirkte, nach meiner Überzeugung, wie ein Blitzableiter: Es hätte sich irgendwo entladen müssen. Das hätte auch ein Buch oder ein Fernsehfilm sein können. Was dann kam, ist für mich allerdings schwer begreiflich. Es war eine echte Freak-Show.

          Wie meinen Sie das?

          Was haben wir getan, um diesen Hass auf uns zu ziehen? Dänemark ist ein kleines, tolerantes und sehr freundliches Land. Mit viel Geld haben wir armen Ländern geholfen, auch muslimischen Ländern natürlich. Der Mann auf der Straße versteht nicht, weshalb Menschen, die wir willkommen geheißen haben, die wir mit Wohnung und Ausbildung versorgt haben und die in Dänemark größere Freiheiten genießen als in vielen muslimischen Ländern, unsere satirische und freiheitliche Tradition nicht aushalten können.

          Haben Sie das mal dänische Muslime gefragt?

          Meine Kontakte mit der muslimischen Welt sind nicht besonders gut gegangen. Ich habe versucht, mit einigen Muslimen zu diskutieren, aber wir waren uns nicht einig. Immerhin konnten wir uns darauf verständigen dass es wichtig ist, miteinander zu diskutieren und dass so eine Diskussion nicht mit einem Begräbnis endet. (lacht)

          Wie würden Sie jemandem, der sie nie gesehen hat, Ihre Zeichnung schildern?

          Es ist eine Zeichnung, die satirisch zeigt, wie Terroristen aus Zeilen des Korans ihre geistige Munition basteln.

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