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Integration : Jede Einbürgerung ist ein Erfolg

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Auf Rollerblades aus der Isolation? Integrationsprojekt in Hamburg Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Wir sind ein Einwanderungsland: Armin Laschet, Minister für Integration in NRW, über Integration, Leitkultur, Parallelgesellschaften und die Möglichkeit eines deutschen Islam.

          Sein Titel ist lang: Armin Laschet darf sich seit gut einem halben Jahr Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen nennen. Jürgen Rüttgers hat den vierundvierzigjährigen studierten Juristen und Journalisten, der zuletzt im Straßburger Europaparlament saß, in die Regierung geholt. Als erster Intergrationsminister Deutschlands plädiert er für eine gemeinsame Leitkulturdebatte.

          Frage: Was hat Sie an einem Ministerium gereizt, von dem man sagt, es könne hauptsächlich im vorpolitischen Raum für sein Anliegen werben?

          Integrationspolitik ist keine Politik, die man nur mit Gesetzen machen kann. Dennoch ist mein Ministerium kein Redeministerium. Ein Beispiel: Jedes Kind, das in die Schule kommt, muß jetzt mit vier Jahren einen Sprachtest machen. Deshalb haben wir die Aufwendung für die Sprachförderung im Kindergarten auf sechzehn Millionen Euro verdoppelt. Zudem fördern wir kommunale Projekte, die Integration als Querschnittsaufgabe verstehen, und wir verfügen über zahlreiche Steuerungsmodelle.

          „Die Debatte hat noch nicht begonnen”

          Sie sind aus dem Europa-Parlament auf die Länderebene gewechselt. Was hat Sie an Einbürgerungsparties in Wuppertal gereizt?

          Meine europäische Arbeit habe ich schweren Herzens verlassen. Aber nach neununddreißig Jahren Opposition, die die CDU in Nordrhein-Westfalen hinter sich hat, jetzt am Neubeginn mitzuwirken, ist eine reizvolle Aufgabe. Hinzu kommt, daß ich auf die Kompetenz von dreihundert Mitarbeitern bauen muß - auch auf die derjenigen, die nicht die Positionen der CDU vertreten. Diese konkrete Regierungserfahrung ist näher an der Praxis: Was sie entscheidet, muß unmittelbar vor Ort funktionieren.

          Sie haben „Familienzentren“ ins Spiel gebracht. Was muß man sich darunter genau vorstellen?

          Erziehungs- und Familienberatungsstellen sowie Kindertagesstätten sind im Augenblick voneinander getrennt. Eltern aus der Mittelschicht nutzen diese Angebote, aber die, die man eigentlich erreichen will, erreicht man leider nicht sehr häufig. Deshalb sollen die Familienzentren in Nordrhein-Westfalen künftig Eltern und Kindern Betreuung, Bildung und Beratung an einem Ort anbieten. Die Kindertagesstätten sollen zudem die frühkindliche Bildung und die Sprachkompetenz fördern sowie Tagesmütter und -väter vermitteln. Denn eines steht fest: Wenn Familie und Beruf nicht vereinbar sind, schiebt man die Kinderentscheidung immer weiter hinaus - und viele sagen gar nicht mehr Ja zum Kind.

          Mit welchen Mitteln wollen Sie die Integration beschleunigen?

          Wir haben seit fünfzig Jahren Zuwanderung in Deutschland. Die ersten zwanzig Jahre haben wir verschenkt, weil wir dachten, die damals „Gastarbeiter“ Genannten gehen wieder. In den siebziger Jahren war Zuwanderung wegen guter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen kein großes Thema. Dann kam die große Asyldebatte, Zuwanderung fand nur ungesteuert über das Asylrecht statt, hinzu kamen die Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien und zahlreiche Spätaussiedler. Wir stehen am Anfang der Integrationspolitik, weil man erkannt hat, daß wir eine multikulturelle Gesellschaft sind. Das ist ein Faktum, über das man nicht streiten muß, auch wenn die Union das lange getan hat.

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