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Integration der Muslime : Bist du nicht von uns, dann bist du des Teufels

  • -Aktualisiert am

Das kollektivistische Gesellschaftsmodell des Islam steht der Integration entgegen: betende Muslime in Berlin Bild: AP

Die Vertreter der Islamkonferenz treffen sich zum zweiten Mal in ihren Arbeitsgruppen. Es geht um Integration, um das Verhältnis der Religion zur Gesellschaft, um Menschenrechte. In einer Streitschrift untersucht Necla Kelek, was die Muslime von Europas Werten trennt.

          In dieser Woche treffen sich die Vertreter der Islamkonferenz zum zweiten Mal in ihren Arbeitsgruppen. Es geht um die Integration der Muslime und somit um das Verhältnis der Religion, des Islam zur Gesellschaft, um Menschenrechte, die unteilbar sind, auch für muslimische Frauen und Männer. Es wird über europäische Werte wie die Religionsfreiheit gestritten und den säkularen Staat. Die Publizistin und Soziologin Necla Kelek („Die fremde Braut“) setzt sich in ihrer Streitschrift mit den Prämissen auseinander, unter denen diese Gespäche geführt werden. Ohne kritische Auseinandersetzung mit dem historischen Kontext, dem Koran, islamischen Traditionen und Sitten, der Freiheitsfeindlichkeit und dem kollektivistischen Gesellschaftsmodell, das der Islam verfolgt, werde es keine Integration der Muslime in Europa geben. Islamwissenschaftlern wie Tariq Ramadan wirft sie Frauenfeindlichkeit und eine Gegenaufklärung vor, die das Ziel hat, die europäische Moderne zu islamisieren und den Westen zu diffamieren.

          In den aktuellen Grenzen der Europäischen Union leben zurzeit mehr als zwanzig Millionen Menschen, zwölf Millionen davon sind Migranten in Westeuropa, die zu den Muslimen gerechnet werden und deren Zahl sich in den kommenden Jahren verdoppeln wird. Erfüllen sich die Wünsche der Türkei, wird der Islam in absehbarer Zukunft ein bedeutender Faktor nicht nur der Außen-, sondern auch der europäischen Innenpolitik sein. Die Auseinandersetzung mit dem, was Islam ist und wie er gelebt wird, berührt also den Kern der europäischen Zukunft.

          Der Islam selbst hat in den 1400 Jahren seiner Geschichte in Europa so gut wie keine Wurzeln schlagen können. Der Islam ist eine arabische Religion, auch wenn sie sich universalistisch gibt. Er kennt keine Individualität, sein Menschenbild ist nicht gerüstet für die Moderne, die den selbstverantwortlichen Einzelnen braucht; der Islam verfolgt ein anderes, ein kollektivistisches Gesellschaftsmodell. Der Islam hat nicht nur den Anspruch, ein Glaube zu sein, sondern er steht als Religion für die Einheit von Leben, Glauben, Gesetzen und Politik. Dies widerspricht der Säkularisierung. Der Islam versucht, seine Rechte als Kollektiv von Gläubigen einzufordern, wobei die aufgeklärte Gesellschaft zuallererst das Recht des Einzelnen schützt.

          Necla Kelek

          Die militärischen Eroberungszüge scheiterten

          Wenn jemand bei uns die Haltung der katholischen Kirche zur Verhütung oder zur Homosexualität kritisiert, würde niemand auf die Idee kommen, dass damit zugleich der katholische Glaube an sich oder die Religiosität Einzelner in Frage gestellt wird. Kritisiert man aber die Haltung der Muslime zu Frauen und nennt man diese unmenschlich, kommt der Einwand, man könne doch den Glauben nicht in Frage stellen. Das ist das Dilemma des Islam: dass er im Persönlichen ein Weg zur Spiritualität sein kann, dass niemand das Erleben des Einzelnen in Frage stellen will, sich aber der einzelne Muslim als ein der Gemeinschaft verpflichtetes Sozialwesen verhält, das die eigene Anschauung für das Ganze hält.

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