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Integration der Muslime : Bist du nicht von uns, dann bist du des Teufels

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Zwangsheirat und Jungfernkult

Es gibt Säkularisierung und Gleichberechtigung in keinem islamischen Land, weder in Iran noch in Marokko, noch für große Gruppen von Frauen in der Türkei, offiziell ein laizistischer Staat, in dessen Verfassung die Gleichberechtigung verbrieft ist. Der Islam, seine Traditionen und Riten zwingen die Frauen überall dort, wo der Islam dominiert, in die Apartheid. Deutlich wird das auch in dem von den muslimischen Gemeinschaften in Europa praktizierten „Zwang zur Heirat“ und in dem auf den Propheten Mohammed zurückgehenden Jungfernkult. Der Koran sagt: „Und verheiratet die Ledigen unter euch und die Rechtschaffenden von euren Sklaven und Sklavinnen.“ Das bedeutet in der Tradition des islamischen Lebens, dass die Familie oder ein Vormund (ein männlicher Verwandter), „Wali“, für die Heirat der Kinder verantwortlich sind.

Noch heute gilt in fast 52 Ländern mit muslimischen Ehestandsrecht, dass eine Frau, ganz gleich welchen Alters, ohne Zustimmung ihres Wali nicht heiraten darf. Die Praxis der Zwangsheirat und der arrangierten Ehe widerspricht den europäischen Werten und Gesetzen, wonach niemand zur Ehe genötigt werden darf. Mohammed sagt nach einem Hadith zu einem Mann, der nicht heiraten will: „Dann bist du nicht von unserer Gemeinde, dann bist du ein Bruder des Teufels.“ In Europa muss gewährleistet bleiben, dass jede Frau und jeder Mann frei entscheiden kann, wen, wann und ob er heiraten will. Das aber ist in der muslimischen Gemeinschaft nicht möglich, denn sie sieht in dem Menschen kein Individuum, sondern ein Sozialwesen, das der Gemeinschaft der Muslime, der Umma, verpflichtet ist.

Es geht grundsätzlich um das Selbstverständnis Europas

Am 5. August 1990 unterzeichneten 45 Außenminister der Organisation der Islamischen Konferenz, des höchsten weltlichen Gremiums der Muslime, die „Kairoer Erklärung der Menschenrechte“. Darin legten Muslime aus aller Welt gemeinsam ihre Haltung zu den Menschenrechten dar. Das Dokument hat keinen völkerrechtlich verbindlichen Charakter, erhellt aber die Haltung des Islam zu den Grundrechten. Die wichtigsten Feststellungen dieser Erklärung stehen in den letzten beiden Artikeln. Artikel 24: „Alle Rechte und Freiheiten, die in dieser Erklärung genannt werden, unterstehen der islamischen Scharia.“ Artikel 25: „Die islamische Scharia ist die einzig zuständige Quelle für die Auslegung oder Erklärung jedes einzelnen Artikels dieser Erklärung.“ Und in der Präambel heißt es: „Die Mitglieder der Organisation der Islamischen Konferenz betonen die kulturelle Rolle der islamischen Umma, die von Gott als beste Nation geschaffen wurde und die der Menschheit eine universale und wohlausgewogene Zivilisation gebracht hat.“

Anders als in demokratischen Verfassungen ist hier nicht vom Individuum die Rede, sondern von der Umma, der Gemeinschaft der Gläubigen, vom Kollektiv. In konsequenter Fortsetzung dessen erkennt die Erklärung der Muslime nur jene Rechte an, die im Koran festgelegt sind, und wertet - gemäß der Scharia - nur solche Taten als Verbrechen, über die auch Koran und Sunna gleichermaßen urteilen: „Es gibt kein Verbrechen und Strafen außer den in der Scharia festgelegten“ (Artikel 19). Gleichberechtigung ist in dieser Erklärung nicht vorgesehen, dafür soziale Kontrolle und Denunziation legitimiert, wie Artikel 22 deutlich macht: „Jeder Mensch hat das Recht, in Einklang mit den Normen der Scharia für das Recht einzutreten, das Gute zu verfechten und vor dem Unrecht und dem Bösen zu warnen.“ Das ist eine mittelbare Rechtfertigung von Selbstjustiz.

Wenn wir also über den Islam in Europa reden, müssen wir ganz grundsätzlich über das Selbstverständnis Europas reden. Bei der geforderten Anerkennung der „Kultur des Islam“ geht es um Freiheit, Säkularisierung und um Menschenrechte. Können wir, wie Tariq Ramadan fordert, es den Muslimen überlassen, „selbst zu entscheiden“, was Integration für sie heißt?

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